Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 255 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Miniaturen 255 iiiiniHhiimniiiinimnnmnmiiim seinem Biographen gestatten. Spiegelklar mußte er das Bild des Fuhrers m semer unkomplizierten aber großen Menschlickkeit, mit allen Feldern und Vorzügen — man begreift die zweiten nickt, wenn man die ersten zu seken sekeut — wiedergeben. Um die Freunde der Legende vom fehlerlosen Herzl nickt zu stören, konnte man ja dem Buck einen kleinen ^Varnungsruf beifugen, etwa: nur für Erwacksene! Bei dem Buck Friedemanns ist das unnötig, es ist vom Geiste der naivsten Apologetik erfüllt. Dal? er den Politiker Herzl nickt kritisch seken kann, daß er auck keute nock die kosen »Praktiscken« und die bösen Kulturzionisten mit dgn Augen Herzls siekt und sekr emfack ab zutun geneigt ist, versteken wir 3a bei dem politiscken Ziomsten ältester Sckule; aber es mackt ikm unmoglick, die Notwendigkeit dieser Erscheinungen zu kegreifen und deskalb auck, Herzls Zeit und sekließlick Herzl selkst und seine Stellung zu seken. Er ist viel zu nake an Herzl, um einen Uk erblick zu gewinnen, viel zu sekr mitten auf dem Kampfplatz, um einen Plan davon zeicknen zu können. Übrigens ist dem Buck ein Mangel an Ausfukrhckkeit, vor allem in der Sckilderung der innerziomstiscken Entwicklung, sekadlick. Daß bei der sekr knappen Auswakl der mitgeteilten Tatsacken die Parteistellung des Autors, wenn auck nur unbewußt, mitwirkte, war unvermeidlick. Von Herzls Gestalt sind aus sekließlick die keroiscken oder menseklick bestrickenden Zuge gegeben; andere sckleicken Sick nur em, wo sie dem burgerlick romantiscken Ge~ sekmack des Herrn Friedemann nickt als andere ersekemen. Es gelingt ikm ja sogar, den Dramatiker Herzl ganz ernstkaft zu besprecken, okwokl er naturlick merkt, daß kier keine dauernden Kunstwerke sind. Aber ernst nimmt er diese betrübend flacken und künstlensck sehr leichtfertigen Stucke ebenso wie die süßen Feuilletons. Von »Altneuland« will ick nickt sprecken, weil auf ikm em Strakl der großen Idee und also des durck die Idee großen Herzl rukt; wie hatte Friedemann nack all dem Mitgeteilten dies ernstlick kritisieren können? Immerkin, Friedemanns Buck ist nock die einzige Herzlhiograpkie und als solcke durck die ^Vuckt des Stoffes oft ersekütternd, immer interessant — und lesenswert, solange eine Besckreibung des wirklicken Herzl und seines Lebens nock nickt vorliegt. Ludwig Strauß. Oskar Rosenfeld, Mendel Rukig, Eine Erzaklung. Saturn- Verlag, Heidelberg 1914. — Der Gkettogeschichten, die sich in Inventarisierung des Milieus erschöpfen, sind wir überdrüssig und erkennen ihnen lediglich ethnographischen Wert zu. In Oskar Rosenfelds Erzählung dagegen ist die Gemeinde, die man sich wohl in Böhmen oder Mahren zu denken hat, nur der angedeutete Rahmen für em reinmenschliches Faktum von uberzeugender Tragik. Mendel Ruhig, em Traumer von Gottes Gnaden, wird durch ein Unglück, dem seine Eltern zum Opfer fallen, zum klagenden Hiob. Sem Gemüt wird immer mehr verstört, er Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker