Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- [Rezension] / Strauß, Ludwig
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 254 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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254 Miniaturen litniUifnmiiiHmitmmii!!^^ Paris von Gütersloh, Die tanzende Torin, Roman. (Georg Muller, Verlag.) — Weil Geist Instinkte reguliert, bei mancken Unglücklichen mit Instinkten kämpft, bis er oder sie vernicktet sind — wird es bei der pMasse der Intellektuellen Mode, lkre sckleckten Instinkte durck em Ukermaß von Geistigkeit zu erklaren und den Geist zu verklagen. In dem Roman, den ick kesprecke, suekt em Madeken einen Partner zum Koitus und findet ikn nickt, weil ikr »das Sckicksal immer einen Intelligenzmenscken zufukrt, statt jenen Matrosen aus der Hafengasse oder jenen "Wirt« usw. Da ergeken Sick denn nun immer seeliscke Komplikationen, die es nickt zu der geplanten Aktion kommen lassen. Einer der Intelligenzmenscken z. B. findet Sick nack einem Zusami&ensein mit Rutk, der Heldin, so kaltlos ersekrecken vor dem Ratsei des AkVeites, daß er zum — ^iVeminger greift. Voilä die er druckende Geistigkeit. Kurzum, Rutk findet ikren Gral nickt, immerkm aber gelingt es ikr infolge der Leicktglaukigkeit des Autors.» emen Halkirrsmmgen ms ^Vasser zu treiben, ikre Racke »an allen Mannern, die sie niemals angerukrt kaken«. Dieser ernstkafte Roman, aus dem em überlegener Autor eine tolle, kumoristiscke Gesckickte katte macken können, spielt großenteils in der Intelligenz, die dem judiscken Berlin ^V. entstammt. Und allerdings, Menscken dieses Kreises waren dazu krauckkar, m dem grotesken Reigen dieser Handlung mitzugeken. Eine grob aber oberflackkck ncktig gesekene modern judiscke Familie, eine etwas unfreiwillig ncktig gesekene judisck-kerlimscke Intelligenz agiert. Erniedrigter Geist, degradierte judiscke Rasse spielen m dem Buck — welckes Gluck, dal? wir alles dies so wenig mekr als zu uns gekorig, so sekr als vergangen empfinden, mag es auck keute nock tausendmal da sein. Was im übrigen über Juden und Cknsten, über Gott, Mann und Frau und tausend anderes in dem Buck reflektiert wird, liegt keute auf der Straße und ist keineswegs das Beste, was dort liegt. Der Stil des Romans ist sekr ckarakteristisck. Eine willige Interpunktion unterstutzt die Neigung jeder paar ^Worte, jedes Nekensatzes, für Sick da zu sein und den Zusammenkang mit allem andern zu leugnen. Em kaufiges Präsens laßt immer wieder das Detail gegen die episeke Kontinuität der Handlung rebellieren* Seiten kmunter bildet jeder Satz emen besonderen Akscknitt* Daß aus so undisziplinierten Teilen kein Ganzes entstekt, ist selbstverständlich daß keine Erzaklung entstekt aus anemandergereikten Gegenwarten, ebenso. Uebrigens ist dem Autor eine gewisse Routine der pkyckologiscken Konstruktion, vor allem aker die ab und zu wirklick dicktenscke Darstellung rem smnkcker Fakten zuzugesteken. L. St. Adolf Friedemann, Das Leken Tkeodor Herzls. (Judiscker Verlag.) Den Mangel an Bewußtkeit und Geistigkeit, den Herzl, dem »Elementaraktiven «, vorzuwerfen dumm wäre, dürfen wir keinesfalls Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker