Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- Die ostjüdische Kulturbewegung
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 247 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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EN« o*tjii<it#dhc Kultufb«w«futig 14? iWWmHiMIHHimiUMlIIHliiMimHHHmtimiM DIE OSTJÜDISCHE KULTURBEWEGUNG Für gedankentrage, schlag wortmai?ig und semer Unbekummertheit um die eindeutigsten Pflichten wegen für unjudisch erklaren wir, der Herausgeber und die Schriftleiter dieser Zeitschrift em nationalistisches Judentum, das die uns Westjuden zum Verhängnis gewordene tragische Tatsache, vom ostjiidischen Volksstamm losgerissen zu sem, in gemächlich selbstgefälliger pequemlichkeit und unbegreiflich dumpfem Nichtauf begehren ertragt. ^Vir stellen die nationale Schmach fest, dal? 30 Jahre nationalistischer Propaganda es nicht vermochten auch nur em halb Dutzend unter zehntausenden sich national nennenden Juden dem lebendigen Volk so nahe zu bringen, daß sie seine Sprache verstehen, seme Zeitungen, die judische Arbeiter- und Tagespresse lesen, den unermesslichen Schatz seines Kulturguts ahnen und, sei es noch so oberflächlich, an den Geschehnissen und Umstanden seines alltäglichen, und an den Schicksalen seines unterirdischen Lebens wenigstens lesend und sich informierend Anteil nehmen. Noch aber ahnt niemand es, wie viele hierzulande für die alten Volksgesange ihrer Nation, voll AVunder und großer Dinge schon bereit sind; andere gerne m die Welt der judischen Folklore und der Volksdichter hineinblicken wurden, und die schon zahlreichen, denen das abstrakte Verhältnis zu ihrem Volk nicht mehr genügt* bald die periodische judische Publizistik sich ms Haus nahmen — wußten sie nur von dem allen, und woher es beziehen* Gegen solchen unerträglichen Zustand setzen wir uns mit diesen regelmäßigen Übersichten zur Wehr: alles Technische* das dem Westjuden die Heimkehr zu seinem Volke zu erleichtern vermag, wird er an dieser Stelle kurz, doch genügend scharf gekennzeichnet finden. Dazu jedoch, dal? Dieses gänzlich, mit aller m ihm schlummernden Fülle ms Leben einbezogen wird, ist jeder, der gleich um sich gegen das schmähliche Heute auflehnt, energischer und opferwilliger Arbeit verpflichtet. Wir fordern die nationalen Intellektuellen auf, diese werte — vermittelnde Arbeit, die ihnen langst obliegt, endlich zu unternehmen; und sich brieflich oder mündlich mit der Schriftleitung der Freistatt zu beraten. * * * Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker