Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- Notiz zum Schaffen Oskar Baums
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 229 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Max. Broi Notis *uin Schaffen Oik&r B*unt* Sff gmillttHIIMHlHIIMIIIMMIHIMmHimilllWIMMI^ NOTIZ ZUM SCHAFFEN OSKAR BAUMS Ich lernte Oskar Baum durch einen gemeinsamen Freund, einen meiner liebsten Freunde kennen. Das geschah vor vielen Jahren. Damals wußte ich über Oskar Baum nur, dal? er in früher Jugend durch unglückselige Fälle erblindet daß er in einem Wiener Blindeninstitut erzogen worden war, wo er durch seine außergewöhnliche literarische und musikalische Begabung, sowie durch die ihm wie von Natur aus zufallende Führerrolle unter den Zöglingen die Aufmerksamkeit der Lehrer auf sich lenkte. Ich war also darauf gefaßt, einer interessanten Persönlichkeit entgegenzutreten. Immerhin hatte ich mir ihn anders vorgestellt: nicht so aufrecht, so heiter und durchaus versöhnt, mit soviel überschüssiger Kraft der Seele, die immer darauf ausging, immer mehr Gegenständliches in ihren Bereich zu reißen und unermüdlich an einer eigenen AA/elt zu bauen. Der erste Eindruck dieser ganz starken Lebens- und Schaffenskraft scheint richtig gewesen zu sein. Denn er hält nun beinahe ein Dezennium bei mir an und erneuert sich bei jedem Zusammentreffen. Jedesmal strömt Tapferkeit und Stärke von Baums schönem Kopf dem Besucher entgegen, ein herrlicher Atem von Gesundheit, der den Gedanken an sein Gebrechen gar nicht aufkommen läßt, der jedem Mitleid die Türe weist, sowie sein erstes Buch schon den Nietzschespruch vom Mitleid, das überwunden werden muß, an der Stirne trug. — Gewiß ist es seltsam daß Oskar Baum, der von der Natur mißhandelte, unter uns Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker