Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Weltgeschichte im Spiegel jüdischer Bildnisminiaturen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fassung aus. Dem Dargestellten wurden über diese endgültige, berühmt gewordene physiognomische Gestaltung seines Wesens die Worte in den Mund gelegt, daß der Künstler mit dieser Arbeit sich selbst übertroffen hätte. Sie ist datiert und signiert: sie trägt die Jahreszahl 1656 und den Künstlernamen Samuel Cooper. ' 1656 — das ist das Jahr, in dem Menasse ben Israel in England weilte, um von Cromwell die Wiederzulassung der Ende des dreizehnten Jahrhunderts ausgetriebenen Juden zu erwirken. Wie wir wissen: mit einem Teilerfolg. Der Meister dieser Porträt-Miniatur aber war selbst jüdischer Abstammung — und da ergibt sich von selbst die Frage: wie kamen denn vor dieser Zeit Juden nach England? Neuere jüdische Geschichtsforschung hat festgestellt, daß sich bereits Marranen-Gemeinden — aus Portugal geflüchtete Scheinchristen — vor Menasses Ankunft dort aufgehalten hatten. Einer von ihnen war zum Beispiel jener Dr. Ruy Lopez, der Leibarzt Leicesters und der Königin Elisabeth, der als Opfer des politischen Gegensatzes zwischen Essex und Burleigh starb, ein Justizirrtum, auf den Shakespeare im ,,Kaufmann von Venedig“ anspielt, wenn er Porzia zu Bassanio mit den Worten scherzen läßt: ״Ich fürchte, auf der Folter sprichst du, wo Menschen unterm Zwange alles reden!“ Und ich bin geneigt anzunehmen, daß der Lehrer und Oheim der Brüder Alexander und Samuel Cooper, John Hoskins, der Hofmaler König Karls I. von Eng- 168