Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Adolphe Crémieux
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Bewegung, in die sie durch Ihren Beifall versetzt wird. Wenn ich, wie Sie zu erinnern die Güte haben, vor Gerichten und in der Presse die heilige Sache der Judenemanzipation verfochten habe, so verteidigte ich damit nur meinen eigenen Herd und den Grundsatz der Religionsfreiheit, das große und edle Prinzip, das den Himmel der Erde nähert, indem es jedem Menschen die Freiheit sichert, nach seinem Glauben Gott das Opfer seiner Liebe darzubringen. Ich griff zur Feder, so oft Verleumdung ihr Gift gegen die jüdische Religion verbreitete, ich rief das Mitgefühl aller edlen Menschen zu Hilfe und fühlte die Kraft des guten Rechtes und die Energie der Seele: Wäre da mein Schweigen nicht schmähliche Feigheit gewesen? . . . Sie erinnern mich an meine Worte, die ich vor zehn Jahren in meinem Plaidoy er gegen den Judeneid gebraucht habe: ,Die Juden kennen keine Undankbarkeit/ Wie hätte ich damals ahnen können, daß ich für dieses Wort einen solchen Beweis in Ihrer Mitte finden würde! Welches sollte die Tugend sein, die wir Juden vermissen lassen, um gleichberechtigte Bürger unseres Landes zu werden? Die Elternliebe, die Kindes treue, diese vornehmsten Familientugenden, sind in unsere Seelen geschrieben wie in unsere heiligen Schriften mit unauslöschbaren Lettern. Der Gott Israels verheißt Abraham, seinem Erwählten, als Lohn das Glück seines Sohnes Isak und der fernsten Enkel; der Gott Israels schreibt eigenhändig auf die heiligen 168