Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Lassalle, Arnold Mendelssohn und Joseph Mendelssohn
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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werde ich meinem Vat[er] ferner und fremder gehalten durch die bornierte Hartnäckigkeit seines einseitigen und beschränkten Urteils, Diese harte, in sich verstockte Einseitigkeit ist der Grundzug seines ganzen geistigen Wesens, Bei Dir finde ich die Sicherheit eines allseitigen Urteils, gereift durch die massenhafte Erfahrung eines langen und bewegten, nicht gewöhnlichen Lebens; eine Erfahrung, welche (denn nur so trägt die Lebenserfahrung zur Lebensweisheit und Urteil etwas bei, sonst bleibt sie eine rohe Masse einzelner sinnlicher Vorkommenheiten) gereinigt und gesichert ist durch die Grundlage einer allseitigen Bildung, Und dabei bist Du so unendlich entfernt von der gewöhnlichen Altklugheit unserer alten erfahrenen Leute, die da in einer bedauernswürdigen Exklusivität alles verwerfen, was nicht in ihren Kram paßt, und da meinen, man könne zu nichts kommen, wenn man nicht denselben langen Weg und Ochsenschritt geht, den sie gegangen. Na, ich will hier aufhören, denn zum Panegyriker bin ich, wie Du weißt, verdorben und wenn es mir auch sehr leicht wird, einen ins Gesicht zu tadeln, so kann ich lange nicht so gut einen ins Gesicht loben, schon um des mißlichen Gefühls willen, das der Gelobte dabei hat, besonders wenn er in der Tat viel Lob verdient. So viel ist klar, daß ich eben nur das Bedürfnis haben konnte mich mit jemand auszusprechen, den ich vollkommen achte. Sie sind aber sehr selten, die 68