Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Lassalle, Arnold Mendelssohn und Joseph Mendelssohn
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111124-3118689--7247-3118781- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nicht nur aller derlei Klugheitsregeln nicht zu bedürfen, sondern ich würde es sogar für ein positives Unrecht, für ein durch Deine ganze Art u. Weise gegen mich ungerechtfertigtes Mißtrauen halt[en] wenn ich sie bei Dir in Anwendung bringen wollte, Drum also zur Sache, Es war im November, als mir Lassal5), wie es seine Weise ist, meinen Wünschen zuvorkommend, das Anerbieten machte, zu ihm zu ziehen. Es ist unschwer zu sehen, mit welcher Freude ich dies Anerbieten ergreifen mußte. Schon längst hatte ich mich gesehnt, meine Stube in der Oranienburger Straße bei meinen Eltern zu verlassen, ich hatte längst eingesehen, was ich einem Manne von Deiner Lebenserfahrung wohl nicht auseinanderzusetzen brauche, daß ich dort in einem so entlegenen Teile der Stadt, zumal bei der Aermlichkeit und Beschränktheit meiner ganzen äußern Existenz in der Welt, wo so viel auf Aeußerlichkeiten ankommt, niemals Praxis erhalten, nie sozusagen Karriere machen könnte! Es gehört heutzutage, wenn man irgend etwas von der Welt erreichen will, vor allen Dingen dazu, sich in sie zu fügen, sich ihren Vorurteilen zu akkomodieren 6) Von Anfang dieses Absatzes bis „könnte“ und dann wieder von „Wenn also schon“ an gedruckt in Nachgel. Briefe und Schriften I 153 ff. Ich habe diese Zeilen des Zusammenhangs wegen hier wiederholt und auch weil sie einen anderen Klang bekommen, wenn man weiß, daß sie von Lassalle selbst entworfen sind, nicht von Arnold Mendelssohn. — Zur Schreibweise: Lassal ist bekanntlich der eigentliche Name, erst seit seiner ersten Pariser Reise (Winter 1845/46) schreibt sich Ferdinand als Lassalle. 61