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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1927-01-01 · 28 (1927) · p. 2

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
28 (1927)
Article
Rückblick auf das Jahr 5687
Date
1927-01-01
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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2 Denn zu uns gehören die Täter, und auf uns, auf deutsches Volk und deutsches Wesen, beruft sich die Haßgesinnung, der solche Taten entspringen. Wir können diese Strolche nicht abschütteln, und deshalb muffen sie von uns gestäupt und zum Ablaffen von ihren Schändlichkeiten gezwungen werden." So schreibt der deutsche Schriftsteller Wilhelm Michel, der gleichzeitig mit Recht über die Gleichgültigkeit der berufenen Kreise, insbesondere der Presse und der evangelischen Kirche, gegenüber^ dieser Verrohung seine Verwunderung ausspricht. Aber trotzdem auch die „Christliche Welt" die evangelische Geistlichkeit zum Einschreiten aufrief, haben ihre amtlichen Organe sich bisher nicht vernehmen lassen. Es ist leicht, auf der Kirchenkonferenz in Lausanne Resolutionen gegen den Rassenhaß und für die allgemeine Menschenliebe zu fassen, — niemand glaubt ihnen, wenn die Worte nicht durch Taten unterstützt werden. - Wenn die völkische Barbarei vor den Toten nicht halt macht, so läßt sich leicht ermessen, wie gewalttätig sie gegenüber den Lebenden verfährt. Freilich sind diese in der Lage, sich zu wehren, und Tapferkeit oder Mut des Vekennens der eigenen Schuld gehören nicht zu den hervorstechenden Tugenden dieser Erneuerer Deutschlands. Immerhin üben sie durch ihr anmaßendes Auftreten einen solchen Terror, eine solche Suggestion aus, daß weiteste Kreise des deutschen Volkes von ihrem Denken infiziert sind. Namentlich die akademischen Kreise mißverstehen vielfach die ihnen zugedachte Fllhrerrolle dahin, daß sie dem Volke in Gehässigkeit vorangehen müssen; die „Vertrauenskrise der Justiz" in Deutschland wird besonders deutlich, wo Juden in Frage kommen. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der in diesen letzten Jahren der Hochflut des Antisemitismus in mühevoller Kleinarbeit für Aufklärung.und Abwehr weit mehr geleistet hat, als der Oeffentlichkeit bekannt wird, sah sich veranlaßt, die ihm nahestehenden Juristen zusammenzuberufen und über Maßnahmen zum wirksameren Rechtsschutz für Juden zu beraten.

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