Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5686
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 sachen zu stellen — freilich bereitet der von Palästina aus verbreitete Hatz den Juden in anderen arabischen Ländern Schwierigkeiten. Man muß nicht gerade den Optimismus Dr. Weizmanns teilen, der mit Sicherheit ein stetes bedeutendes Anwachsen der Ansiedlung für die nächste Zukunft voraussagt, aber es liegt auch kein Anlatz zum Verzweifeln vor. Am allerwenigsten ein solcher, über einen Mißerfolg zu triumphieren. Palästina ist heute nicht ein zionistisches und nicht einmal mehr ein jüdisches, sondern ein weltpolitisches Problem. Wenn, ehe diese Zeilen erscheinen, Deutschland Mitglied des Völkerbundes ist, haben auch die deutschen Juden, ob sie wollen oder nicht, an der Verantwortung für die Durchführung des Mandats rnitzutragen. Und wenn die Juden sich als unfähig erweisen, die ihnen in Palästina zugewiesene Aufgabe durchzuführen, so geht damit nicht nur ein Teil ihrer eigenen Würde, sondern auch das einzige Land verloren, das heute noch eine gewisse jüdische Einwanderung aufnehmen kann. Einem jüdischen Weisen wurde einst der Tod seines erbittertsten Feindes mitgeteilt. Man erwartete, daß er die Nachricht mit Genugtuung aufnehmen würde, er aber brach in Tränen aus, denn er dachte an die zahlreichen Armen, die jener zu versorgen pflegte und die nun ihrer Stütze beraubt waren. Diese Einsicht in die Positive Arbeit, welche der Gegner leistet, lassen die haßerfüllten Kämpfe in unserer Mitte meist vermissen. Es fehlt an der überragenden Führerpersönlichkeit, die Warmherzigkeit, Einsicht und Tatkraft für die Gesamtheit Israels einzusetzen vermag. Einen, der mit goldener Rücksichtslosigkeit dem jüdischen Leben den Spiegel vorhielt, haben wir in Israel Z a n g w i l l verloren; mit feinem Humor hat er die bittersten Wahrheiten gesagt und weder Personen noch Richtungen verschont. Seine Kunst hat Bilder des jüdischen Lebens geschaffen, die zum klassischen Besitz der Weltliteratur gehören. Sein Andenken bleibt zum Segen! Berlin, 1. Sept. 1926. 22. Elul 8686.