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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 13

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Rückblick auf 5682 und 5683
Date
1923-01-01
Page
Seite 13 (sequence 6)
Language
German
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Prozent der jüdischen Einwohner der abgettennten Gebiete für das alte Vaterland, für Preußen, optiert, um dann neue Wohnstätten und an diesen neue Ernährungsmöglichkeiten zu suchen. Das alles ist offenkundig, und dennoch konnte die wüste völkische Hetze den an sich und im Grunde vielleicht schönen Jünglingsenthusiasmus einiger halbreifer Schulknaben so weit irreleiten und entflammen, daß sie Mordgedanken nährten, Mordpläne entwarfen und ins Werk setzten! Aus dieser Region stammten die Mörder, die im Juni 1922 Walte rRathenau hinterrücks und feige hinstreckten und damit, nach dem Zeugnis des Reichspräsidenten wie des damaligen Reichskanzlers und der Führer unserer meisten politischen Parteien, das Vaterland um eine der stärksten politischen Intelligenzen, um den erfahrensten Wirtschaftspolitiken in der Regierung beraubten, um den Mann, der das Vertrauen des Auslandes besaß und ein einzigartiges Verhandlungsgeschick, um den Mann, auf dem ein gut Stück der Hoffnung für die Genesung unseres Staatskörpers beruhte! Die Auspeitschung der niedrigsten Leidenschaften mit der Aussicht aus lohnende Plünderungen dauern an, und von blutigen Ueberfällen hört man täglich, insbesondere aus dem ehemals so wohltuend behaglichen München. Die schlimmste Folge der völkischen Verhetzung bleibt es, daß der giftige Radau- und Pogrom-Bazillus sich wieder einmal von Deutschland aus seuchenartig über die Welt zu verbreiten scheint. Das Land, das der antisemitischen Ansteckung neuerdings am gründlichsten anheimfiel, ist Ungarn. Selbst Rumänien, vordem das klassische Land rohantisemitischer Betätigung, steht weit hinter Ungarn zurück und beginnt sogar der formalen Gleichberechtigung eine praktische langsam anzupassen. Auch Polen, das 13

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