Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5680/81
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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bewegt seinem langjährigen, verdienstvollenArbeitsgenossen Jacob Guttmann den bewegten Nachruf gewidmet. Der Heimgang eines Morris Jastrow, Rosenthal, des in der Verteidigung jüdischen Rechtes unermüdlichen polnischen Abgeordneten Rabbiner Holpern in Lodz, wird schmerzlich empfunden. In Rudolf Masse verlor Berlin einen warmherzigen Förderer jüdischer Interessen, mit Jacob Schiff in New-Iork ging ein einflußreicher und opferfreudiger Gönner der jüdischen Einwanderer in der neuen Welt, ein eifriger Anwalt und Helfer der Bedrängten dahin. Nicht unerwähnt bleibe der langjährige Bürgermeister von Rom, Ernesto Nathan, der im 67. Lebensjahre dahinschied, betrauert nicht nur von der Judenheit, sondern von der gesamten Bevölkerung. Roms. Ernesto Nathans Mutter war übrigens das Original, das Modell der Theodora in D'Jsraelis Roman ,,Lothar". Dem Vergehen entspricht zum Glück das Entstehen und lehrt uns das Goethe'sche „Stirb und werde" begreifen. Eine stattliche Schar neuer Kämpfer ist auf dem Plan getreten. eine stolze Reihe junger, hoffnungsvoller Talente begegnet uns auf dem Felde unserer Poesie wie unserer Wissenschaft. Den Zusammenschluß aller Kräfte, die Wiederannäherung vormals gegnerischer Parteien, das Erstarken des jüdischen Bewußtseins, den Aufstieg jugendlicher verheißungsvoller Geister können wir mit wachsender Genugtuung und guten Aussichten beobachten, mit einiger Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Gerade in dem Abschluß unseres Berichtsjahres fiel der Zionisten-Kongreß in Karlsbad. Erzeigte uns, daß in der Tschecho-Slovakei auch verständnisvolle und wohlwollende Elemente dem Judentum eine rege Aufmerksamkeit entgegenbringen. Er zeigte aber auch, daß innerhalb der zionistischen Partei selbst besonnene, einsichtsvolle Kräfte, aller Phantasterei fern, dem Erreichbaren zustreben und praktische Arbeit leisten wollen. Die Zeit, da in Rußland Millionen verhungern und die Judenheit nicht nur das gleiche Schicksal teilt sondern auch noch jeder wüsten Verfolgung ausgesetzt ist, die Zeit, da alle bösen -Geister der Lüge und Verleumdung gegen die Juden