Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5680/81
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 * nüchterung gefolgt, aufgehört haben sie noch immer nichts Eine bittere Ironie des Schicksals fügt es, daß sogar die Rumänen, die vordem nie in dem Rufe standen gerecht oder menschlich gegen die Juden zu Verfahren, jetzt die Zahl der jüdischen Professoren an den Universitäten Bukarest und Jassy erhöht, einen Juden, H. S. Katz^ zum Stadtvizepräsidenten von Bukarest gemacht haben, und sich überhaupt milder und humaner zeigen, als dieungarischen Nachbarn auf der einen, die kleinrussischen und beßarabischen auf der anderen Seite. In der Ukraine namentlich haben die Metzeleien eisten ungeheuren Umfang angenommen. Nach vielen Tausenden, zählen die Todesopfer der Massenschlächterefl von den Verstümmelten und Verwundeten abgesehen. Blutgierige und raublustige Banditenhorden werden gegen, die Juden losgelassen und alle Gräuel mittelalterlicher Verfolgung, alle Grausamkeiten der Chmielnickischen Rotten aus den Zeiten des Kosakenausstandes sind ein Kinderspiel gegen die neueren Judenmassakres. Im eigentlichen Rußland, in dem angeblich die Juden die Herrschaft in Händen halten sollen, weil in der Sowjet-- Regierung etwa drei Juden sitzen, ist die Judenverfolgung schlimmer als je in den zarischen Pogrom-Zeiten. Woirgend die roten Truppen erscheinen — mit einem Mord- und Raübzug gegen die Judenviertel fangen sie ihre Unternehmungen immer an. Ebenso haben die gegenrevolutionären, die weißen Rotten, die Horden der Judenitsch, Denikin, Petljura, Wrangel, Budflenny, Balachowicz, überall zunächst an den Juden ihr Mütchen gekühlt. Kommen noch die schweren Plackereien hinzu, mit denen ein erfinderischer Judenhaß im jungen Polen die Juden heimsucht, dann wird man die wilde Flucht ausden Peiniger-Staaten begreifen. Dann kann man es auch verstehen, daß eine hohe Menschenwoge aus denn Osten gegen unsere Grenzen heranrollt und unsmit den verwickelten Konflikten, Sorgen, Verlegenheiten überschüttet, die wir unter dem Sammelnamen der O st - juden-Frage zusammenfassen. Die jüdischen Gemeinden in Deutschland haben felöfb