Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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36 gionsphilosoph von Weltruf. Seine Bedeutung als Philo» soph, als Erneuerer der Kantischen Philosophie, ist her seinen Lebzeiten und anläßlich seines Ablebens vollauf gewürdigt worden. Das Judentum verlor in ihm einen seiner idealsten Pfleger, der die ethische Tiefe unserer Lehre mit philosophischer Klarheit erfaßt und mit seltenem Bekennermut verkündet hat. Er hat die jüdische Religionsphilosophie neu befruchtet und reiht sich so würdig unseren Geistesheroen an. In Jerusalem schied aus dem Leben mitten unter den Kriegsereignissen der verdiente Forscher Abraham Luncz (den Todestag konnte ich bisher nicht ermitteln) im 64. Lebensjahr (geb. im Jahre 1854). Seit seinem 15. Lebensjahr lebte er im heiligen Lande und erwarb sich durch die Herausgabe seines Jahrbuches „Jerusalem" in hebräischer Sprache ungemein große Verdienste um die Palästinaforschung im weitesten Sinne. Der seit Jahren erblindete Gelehrte hat sich auch auf anderen-Gebieten erfolgreich betätigt, er unternahm eine kritische Ausgabe des palästinischen Talmud, die leider nicht zu Ende gediehen ist, falls er nicht das fertige Manuskript hinterlaffen hat. Am 5. August verstarb im hohen Greisenalter (geb. am 19. Februar 1835) Moritz Güdemann, der fast ein halbes Jahrhundert in Wien das Anit eines Oberrabbiners bekleidete, nebenbei aber noch soviel Zeit fand, auf verschiedenen Gebieten der Wissenschaft des Judentums bedeutende Werke von bleibendem Wert zu schaffen. Güdemann war ein Mann von gründlichem und vielseitigem Wissen und ein glänzender Schriftsteller, bei dem alles, was seine Feder behandelte, Leben gewann. Seine Hauptarbeiten liegen auf dem Gebiet der Kulturgeschichte des jüdischen Mittelalters, des Erziehungswesens bei den Juden und der Apologie. 'Alle seine literarischen Schöpfungen tragen den Stempel seiner eigenartigen großen Persönlichkeit. Am 16. August verstarb im 68. Lebensjahr (geb. am 20. Oktober 1850) Adolf Rosenzweig, der in verschiedenen Gemeinden und zuletzt ein Menschenalter hin»