Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Aus Maximilian Missons "Reise nach Italien", Leipzig 1713
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3111067-3111108-3117448--5813-3117590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
114 - — Wenn der Papst vorbey paßiret, die tafeln des gesetzes Mosis mit gewissen ceremonien überreichen. Hiebey spricht der Papst, ohne ertheilung seines segens, diese Worte: Legge traona ma populo mala — detto: Das gesetz ist gut, aber das volck ist verflucht. Dieses mal hatten sie den triumph-bogen nach ihrer gewohnheit mit einigen aus dem alten testament genommenen sprächen gezieret, welche nichts als glück-Wünschungen, und auf das wapen, namen, lügenden und thaten Inuoveutü des XII gerichtete allusionen in sich enthielten. S. 602 s.: Was die Juden anlanget, so hatten selbige; ehe Papst Saulus der IV den heiligen Stuhl bestiege, zu Rom einige freyheit und ergötzlichkeit; doch dieser hatte kaum die regierung angetreten, so fleng er an, selbige sehr zu drücken. Denn an statt, daß sie zuvor an allen orten der stadt wohnen durfften, sperrte er sie in ein gewisses quartier, Ghetto de gli Ebrei genannt, ein, welches aus unterschiedlichen unfläthigen gäßgen bestehet, und geböte ihnen, daß, so bald es anfänget dunckel zu werden, sie in ihrer gasse bleiben, und sich ausser derselben nicht mehr betreten lasten sollen; So dann zwang er sie, alle ihre güter zu verlausten, und keinen andern Handel zu treiben, als mit alten kleidern und hauß-rath; Ferner wolle er haben, daß so wohl mannsals weibs-personen einen gelben Hut tragen sollen, damit man sie von denen Christen unterscheiden könne, und sotten sie mit diesen letztern weder essen noch sonsten gemeinschaft Pflegen. Anietzo seynd sie ungefähr 8000 seelen starck, und werden sie gezwungen, alle sreytage die predigt eines Dominicaner-Mönchs anzuhören, welche über ihren Unglauben gehalten wird. Die Sbirri gehen unterdessen mit großen stöcken in den Händen durch die kirche, damit diejenigen auffzuwecken, welche vor groster und acht einschlafen; so seynd auch zwey Geistliche bestellet, welche die namen der abwesenden auffzeichnen müsten, damit sie dieser wegen können abgestraffet werden. Vor diesem pflegte man ihnen die ohren zu besichtigen, zu sehen, ob ' sie nicht baumwolle oder dergleichen hinein gestopffet;