Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 kann man natürlich niemals die Objektivität des Urteils verbürgen, und gerade deshalb erscheint die Begründung, wenn man anders nach ehrlicher Überzeugung urteilt, umso notwendiger. Aber aus äußeren Gründen muß in diesem Jahre das Jahrbuch in beschränkterem Umfang erscheinen; diesen tatsächlichen Verhältnissen hat diesmal die literarische Übersicht Rechnung zu tragen. Meinen Standpunkt mußte ich daher in aller Kürze resümieren. Von G. Stosch ist eine für das Laienpublikum berechnete Schrift, „Die Entstehung der Bibel" erschienen. Der Verfasser ist durch seine liebevolle Behandlung des heiligen Schrifttums bekannt, wobei er die moderne Bibelkritik fast gänzlich unberücksichtigt läßt. Eine kurz gefaßte Darstellung aus demselben Gebiete bietet K. Heußi in seiner volkstümlichen „Einleitung in die Bibel". H. Gunkel setzt seinen Kampf um unsere Bibel in der Streitschrift „Was bleibt vom alten Testament?" mit feiner bekannten Lebhaftigkeit fort. Der Verfasser, der in dieser Forschung manches Bleibende geleistet hat, tritt seit Jahren in wissenschaftlich-publizistischer Form für die richtige Würdigung des Alten Testaments ein, das gewisse „nationale" Pädagogen aus Gehässigkeit und Unverstand — vielleicht ist in diesen Kreisen der Unverstand größer als die Gehässigkeit —-von der Schule entfernt sehen möchten. In der vorliegenden Schrift, deren Lektüre ich Juden nicht weniger als Christen aufs dringendste empfehlen möchte, zeigt Gunkel, welchen unermeßlichen Reichtum auf den verschiedensten Gebieten des geistigen Lebens dieses Schrifttum in sich birgt, und was die erlauchtesten Geister bis auf die neueste Zeit von ihm hielten, bis auf Nietzsche, dessen Worte: „Der Geschmack am Alten Testament ist ein Prüfstein in Hinsicht aus „Groß" und „Klein"" auf das Titelblatt dieser Broschüre gesetzt sind. Von E. König liegt ein bedeutsames Buch vor: „Hermeneutik des Alten Testaments" mit spezieller Berücksichtigung der modernen Probleme. Es enthält eine Geschichte der Bibelauslegung in ihren Hauptströmungen von der ältesten Zeit an und zugleich einen methodischen Hinweis für die Behandlung des biblischen Schrifttums