Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Dr. Max Schönfeldt
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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187 zurückgekehrt, wo soeben durch eine neue Beschränkung das Duma-Wählrecht der jüdischen Wähler in Riga und verschiedenen anderen Städten arg verkürzt war, beschäftigte ihn die Sorge um die hierdurch empfindlich erschwerten Wahlvorbereitungen. . , Da ereilte ihn mitten im Schaffen der Tod von der Kugel eines Wahnsinnigen. Sein Begräbnis war — ohne jedes Gepränge — das eines Fürsten. Zehntausende folgten der Bahre' und eine halbmeilenlange Doppelkette freiwilliger, Hand in Hand stehender Ordner schied den Weg des Leichenzuges von weiteren Zehntausenden, welche die Straßen füllten. Verehrer, Freunde und Kollegen errichteten Schönfeldt zu Ehren Stiftungen. Sein Grabstein wird als Ehrendenkmal aus öffentlichen Mitteln gesetzt, gleichsam ein Symbol der Gemeindeeinheit, die ihm so sehr, am Herzen gelegen. hatte. In Harmonie mit seinem öffentlichen Wirken war auch sein Privatleben, seine Ehe nur von idealen Impulsen bestimmt. Um dem Reichtum dieser begnadeten Seele aber gerecht zu werden, sei kurz hinzugefügt, daß Schönseldts Natur im innersten Kerne eine echt künstlerische war. Das enthusiastische, ungestüme Temperament, die Phantasie, die sich allem Menschlichen mit sympathischem Verständnis anschmiegte, der kraftvoll schöpferische Drang, der sein Leben selbst zum Kunstwerk formte: das gab seinem Wesen den herzgewinnenden Zauber und bewahrte seine festgefügte, sittlich imposante Persönlichkeit vor jeder Herbheit und pedantischen Trockenheit. Derselbe Mensch, dessen ganzes Lebenswerk' ein Kampf gegen Leiden und Unterdrückung war, vermochte es, sich sonnigster Lebensfreude, wie seelisch vertieftem, ästhetischem Genüsse in gleichsam gestohlenen Stunden hinzugeben. Die besten Eigenschaften seiner Umwelt erschienen in ihm zu einer glücklichen Harmonie verschmolzen:, das strenge Pflichtgefühl und die Ausdauer der baltischen Deutschen, die gebefreudige Weitherzigkeit der „breiten"