Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 59

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1916-01-01
Page
Seite 59 (sequence 42)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111104-3116905--5235-3117000
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

59 Zum zweitenmal schreibe ich diese literarische Uebersicht, während ganz Europa von Waffengeklirr widerhallt. Zu diesem Kamps mit den Waffen hat sich auch ein solcher mit der Feder gesellt, der vielleicht noch erbitterter geführt wird, als jener. Ein schwedischer Soziologe, G. F. Steffen, hat auf diese traurige Erscheinung hingewiesen, daß im jetzigen Weltkrieg soviele Gehässigkeiten in Wort und Schrift sich ausgehäuft haben, wie in keinem Kriege zuvor. Soweit es sich nur um Schimpfereien handelt, tut man am besten, sich davon resigniert abzuwenden. Anders ist es aber, wenn von beiden Seiten versucht wird, die eigene Sache als die gerechte hinzustellen und so den Eintritt in den Krieg vor aller Welt zu rechtfertigen. Darin kann man in gewissem Sinne einen Kulturfortschritt sehen — aus frivoler Eroberungssucht führt kein zivilisiertes Volk einen Krieg mehr. Es kommt dabei nicht auf das objektive Recht an, sondern auf das subjektive, auf das Rechtsgefühl. Die Brücke, die von Volk zu Volk führt, ist jetzt abgebrochen; aber sie wird wieder errichtet werden, und es wird doch bald die Zeit kommen, in der alle guten Menschen sich vereinigen werden, den gegenseitigen Haß. niederzuringen. Was das Judentum dabei Mitwirken kann, läßt sich in wenigen Sätzen nicht zum Ausdruck bringen. Aber diese Religion, oder vielmehr diese religiöse Weltanschauung, gipfelt im messianischen Gedanken vom ewigen Weltfrieden. Dieser Aufgabe werden sich "die Bekenner des Judentums, wenn dieses Bekenntnis zur Erkenntnis wird, zu widmen haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.