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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 136

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 136 (sequence 81)
Language
German
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136 diese wahrhaft schaffenden tiefsten Kräfte zu erahnen und zu erspähen. Spinoza bildet für die neuere Geschichte desJudentums das schwer st eHemm - nis und daher ein großes Mißgeschick. Denn seit L e s s i n g und Herder ihn auf den Schild hoben, nachdem bis dahin die Christen aller Parteien, nicht allein die dogmatischen Fanatiker, sondern nicht minder auch L e i b n i z und Thomasius ihn verworfen hatten, ist er mit seinem Traktat die authentische Quelle des biblischen und rabbinischen Judentums für die neuere Welt geworden. Unschuldigerweise hat Moses Mendelssohn zur falschen Beurteilung des Judentums mitgewirkt. Aber er hat diese unbeabsichtigte Bestätigung Spinozas reichlich wieder wett gemacht durch das Gute und Richtige, was er mit seiner Gelehrsamkeit und seiner tieferen und wahrhaften Aufklärung zum Verständnis des Judentums geleistet hat. Spinoza bleibt daher der eigentliche Ankläger des Judentums vor der christlichen Welt. Und dennoch möchte ich sagen dürfen: dieser große Feind, der aus uns hervorgegangen, zeugt wider seinen Willen am besten für uns. Mit Ansichten, wie wir sie als das geistige Grundgerüst Spinozas kennen gelernt haben, ist keine Liebe und kein Verständnis des Judentums zu gewinnen. Es kann nun zwar begriffen werden, daß M y st i k e r von der Transcendenz des einzigen Gottes nicht befriedigt werden. Dagegen hat die Geschichte gelehrt, daß der Pantheismus an sich nicht im Widerspruch steht zum Monotheismus. Das hat Mendelssohn sehrrichtig schon gegen I a c o b i ausgesprochen. Aber schlechterdings unvereinbar ist mit dem lebendigen, persönlichen Judentum der vollständigeDefekt des Prophetismus, die vollständige innerliche Verhältnislosigkeit zum messianischen Zuck u n f t s ge d an k e n der Menschheit und zu seinen Wurzeln, die in der mosaischen Sozialgesetzgebung gelegen sind. Wer diese, mieden Sabbat, schlechthin zu den Zeremonien rechnet, nicht aber zum „wahren

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