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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 156

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Hofrat Professor Dr. David Heinrich v. Müller
Date
1914-01-01
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 Würde eines Dekans der philosophischen Fakultät. Bald darauf wurde er zum Hofrat ernannt. Er war auch Besitzer des Leopoldordens und des schwedischen Nordsternordens. Die ihm vom Kaiser aus Anlaß der erbetenen Versetzung in den Ruhestand unmittelbar vor seinem Ableben zuteil gewordene Auszeichnung durch Verleihung des Adels hat er nicht mehr erfahren. Eine eigentümliche Fügung. Allein was macht's? Der Adel der Gesinnung und des Wissens hatte ihn schon lange zuvor geschmückt. Bei all dem Ruhme, der ihn umglänzte, blieb Müller zeitlebens ein bescheidener und schlichter Mann. Sein gutmütiges aber auch charakterfestes Wesen erwarb ihm viele Freunde unter seinen Berufskollegen. Seinen Arbeiten wünschte er gerechte Beurteilung. Gegen ungerechte, von Anmaßung und persönlicher Gehässigkeit begleitete Kritiken scheute er nicht, den Kampf aufzunehmen und ihn mit schneidiger Waffe zu Ende zu führen. Besonderer Liebe und Verehrung erfreute er sich bei seinen Schülern, deren Mitarbeiten und Mitlernen er hochschätzte. Selbst von der Liebe zur Wissenschaft erfüllt, verstand er auch, seine Jünger für dieselbe zu begeistern. Insbesondere war es das aufrichtige und wohlwollende Wesen, womit er sich Anhänglichkeit und Verehrung bei seinen Hörern erwarb. Jede Vorlesung ward bei ihm zum Seminar, zu lebendigem Zusammenarbeiten von Lehrer und Schülern. So verwirklichte Müller an seinem Teil im philologischen Betriebe die moderne Idee von einer teilweisen Aenderung des akademischen Unterrichts nach der Gepflogenheit seminaristischer Institute. Bei seinen Vorlesungen, die er abwechselnd über arabische, hebräische, aramäische, syrische, äthiopische Texte, über sabäische Inschriften und Keilinschriften, oder auch semitische Epigraphik und Schriftgeschichte hielt, fanden sich neben Jüngern aus Oesterreich-Ungarn auch Hörer aus Rußland, Deutschland, Frankreich, England und Amerika. Ueber den segensreichen Einfluß seiner Lehrtätigkeit äußerte sich sein ehemaliger Schüler Or. N. ׳Rhodokanakis, Professor an der Grazer Universität in

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