Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5672
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 Die gleichen jAnschauungen und Gewohnheiten beherrschen die englischen Kolonien. Zu den zahlreichen Israeliten, die, sei es in den Einzelstaaten, sei es in dem Gesamtstaate Australiens, eine leitende Stellung einnehmen, hatsichjüngstArthurMyers gesellt, der dasFinanz- und Eisenbahnministerium vonNeuseeland übernommenhat. Die Tochter des sehr bekannten Richters am Obersten Gerichtshof und früheren Justizministers von Australien, Jsaacs, der auch an der Spitze der jüdischen Institutionen dieses Erdteils steht. Fräulein Nancy Jsaacs, bisher Rechtsanwältin, ist zur Richterin am Berufungs-(Oberlandes-) Gerichte in Melbourne ernannt worden: die erste Frau, die in Australien einen so hohen Posten erhalten hat. Gewiß eine große und charakteristische Auszeichnung! In Amerika nehmen die Juden einen hervorragenden Anteil an dem neuesten und gefahrvollsten Berufe: dem der Aviatiker. Der bedeutendste Schüler der berühmten Flieger Gebrüder Wright war Arthur L. Welsch, einer der Führer der amerikanischen Zionisten. Er wurde erster Lehrer an der Wright'schen Schule für Aviatik, ist aber leider im Juni dieses Jahres durch einen Unfall ums Leben gekommen. Auch in Deutschland gehören Juden zu den ausgezeichnetsten „Fliegern"; Willy Rosenstein ist, obwohl erst achtzehn Jahre alt, einer der tüchtigsten, bewährtesten und kühnsten Flieger und Lehrer dieses Sports auf dem Berliner Flugplatz Johannisthal. Ja dieser Mann mit der „ererbten jüdischen Feigheit" hat schon eine große Anzahl echter preußischer Offiziere zu Aviatikern ausgebildet. Auch der berühmte Abramovicz, der jüngst den Flug Berlin—St. Petersburg ruhmreich zurückgelegt hat, ist Jude. Der Petersburger Aero-Klub hat zum Danke für diesen Erfolg, der von den Russen mit überraschender Toleranz als ein nationaler Ruhmestitel in Anspruch genommen wird, dem Sieger einen silbernen Palmenzweig überreicht. Ein russisches Blatt fragt ironisch, ob Abramovicz seinen Flug nur durch das jüdische Ansiedlungsgebiet genommen, da er ja anderswo kein Wohnrecht in Rußland habe, und ob er überhaupt in Petersburg zu landen berechtigt sei?