Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Ein Edler in Israel
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 2)
- Language
- German
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199 die neue jüdische Schule und pruste die Schüler in allen Fächerndes Elementar- und Religionsunterrichts. Er verließ die Schule mit salzenden Worten: „Ihr Kinder von den Nachkommen Abrahams seid doch eine ganz besondere gottbegnadete Saat. Ihr bedürft nur ein klein wenig Wartung und Pflege, und sofort entwickeln sich nutzbare Gewächse. Wenn man euch betrachtet, begreift man schon, wie aus eurer Mitte derWelterlöser und dieWelterlösunghät hervorgehen können." Und sich speziell an den kleinen Rülf wendend, sprach er: „Und Du, kleines, schwächliches und häßliches Männlein, in Dir scheint der große Geist der Ahnen wieder lebendig geworden zu sein. Wenn Du groß bist, dann komme nur zu mir, ich will schon dafür sorgen, daß das kleine Männlein zu einem großen Manne wird". Diese Szene ist von dem damaligen Lehrer Neumark ausgeschrieben worden. Mt 14 Jahren trat Rülf aus der Schule. Der Vater, der einen Viehhandel betrieb und eine kleine Ackerwirtschaft besaß, sah ein, daß sein körperlich schwach und geistig stark beanlagter Sohn ein Geschäftsmann nicht werden könne, und brachte ihn behufs weiterer Ausbildung zu dem Kreisrabbiner Rabbi Mordechai Wetzlar in Gudensberg, der ihn hauptsächlich im Talmud unterrichtete. Nach einigen Jahren eifrigen Studiums bestand Rülf sein Lehrerexamen und wurde sofort Hilfsmentor bei seinem Talmudlehrer. Nun bereitete er sich ernstlich für das rabbinische Fach und das Universitätsstudium vor, ließ sich dann als akademischer Bürger an der Universität Marburg immatrikulieren, bestand im Dezember 1864 die Prüfung als Rabbiner bei der dortigen Prüfungskommission, wirkte weiter lehrend und lernend als Lehrer und Prediger an verschiedenen kleinen Gemeinden in Hessen und Mecklenburg-Schwerin und promovierte 1864 an der Landes-Universität Rostock. November 1866, im 34. Lebensjahr, trat I>r. Rülf seine Rabbinerstelle in Memel an, wo während der 33 Jahre seiner Amtstätigkeit sein reicher Geist, sein edles Gemüt zur einzigartigen, herrlichen Entwicklung gelangten. * * *