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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1912-01-01
Page
Seite 43 (sequence 23)
Language
German
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-• 43 Studie, die wichtige Bausteine zu einer neuen Geschichte der Juden enthält, bietet R. Straus in seiner Schrift: „Die Juden int Königreich Sizilien unter Normanen und Staufen". Der Verfasser hat für seine Arbeit neues Quellenmaterial verwertet, das seine Vorgänger nicht gekannt haben. Ein neues Gebiet hat M. Hoffmann mit seiner vortrefflichen Arbeit „Der Geldhandel der deutschen Juden während des Mittelalters" (bis zum Jahre 1356), betreten. Bei weitgehender Beherrschung der externen Literatur hat es Hoffmann in diesem Werke zum erstenmal unternommen, die jüdischen (hebräischen) Quellen für die Geschichte des Wirtschaftslebens zu benutzen. Es ist dies ein gelungener Versuch, von dem man hoffen möchte, daß er den Verfasser selbst und vielleicht auch andere zu weiteren Forschungen auf diesem Gebiete aneifern werde. In großem Umfange behandelt W. Sombart dasselbe Thema in seinem umfangreichen Werke: „Die Juden und das Wirtschaftsleben". Dieses merkwürdige Buch, das in kurzer Zeit mehrere Auflagen erlebt hat, verdient zweifellos das große Aufsehen, das es bei seinem Erscheinen erregte. Es hat große Vorzüge, die hauptsächlich in dem reichen, aus den entlegensten Quellen herbeigeholten Material und in der glänzenden Darstellung bestehen, aber auch große Mängel aufzuweisen. Da der Verfaffer fast ohne Vorarbeiten an das große Werk getreten ist, dürfte es ihm nicht verargt werden, wenn er sich in manchen Einzelheiten vergriffen hat. Durchaus anfechtbar ist aber der Standpunkt, d. h. die Voraussetzung, von der er ausgegangen ist, obwohl er geschickterweise damit erst zum Schluß kommt. Als ein wichtiger Beitrag zur Geschichte des Wirtschaftslebens tvürde das Buch auf Anerkennung rechnen dürfen, trotz der Einseitigkeit der Darstellung, die Sombart selbst zügibt und öfter betont. Aber der Verfaffer hat. in seine Arbeit gewiffermaßen alle Seiten' der Judenfrage hineingezogen, die religiöse, wirtschaftliche und gesellschaftliche; auch das Raffenproblem findet da eine eingehende Erörterung. In Bezug auf das letztere debütiert er sogar mit einer neuen Theorie. Die Bezeichnung „Einseitigkeit" genügt nicht mehr, um den oft sehr gewagten Standpunkt Sombarts zu charakterisieren. Jedenfalls sind die Ergebnisse dieses Buches mit der größten Vorsicht aufzunehmen.

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