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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 10

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Rückblick auf das Jahr 5671
Date
1912-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 so daß der Autor schließlich sein Stück selber zurückzog. Daß Bernstein durch Desertion vor dem Militärdienste, allerdings vor vielen Jahren, sich gröblich vergangen Hatte, kann das Treiben seiner Gegner nicht rechtfertigen, die im Grunde doch nur den Juden angriffen. Das offizielle Frankreich, die Vertretung der Ungeheuern Mehrheit der Nation, teilt solche Gesinnungen in keiner Weise. Es befördert beständig Juden zu amtlichen Stellungen, besonders auch Offiziere bis zu den höchsten Graden hinauf. Die preußische Regierung aber muß diese judendurchseuchte französische Armee doch nicht für minderwertig halten, sonst würde sie in der Marokkoangelegenheit sich nicht so vorsichtig und nachgiebig gezeigt haben. Ebenso erlangen die französischen Juden die obersten Stufen in der Staatsverwaltung. In dem, während des jüngsten Sommers neugebildeten Kabinett Caillaux hat ein Jude, Lucien Klotz, der bisher Vizepräsident des Abgeordnetenhauses war, das Finanzministerium wieder erhalten, das er schon in einem früheren Kabinett einmal bekleidet hatte. Was sagt man dazu in Preußen, wo ein Jude nicht einmal Regierungsassessor wird? Man hat aber von einer Inferiorität der Staatsverwaltung in Frankreich, wo Israeliten große Ressorts leiten, der judenreinen deutschen gegenüber noch nichts gehört. Nicht anders handelt unser Dreibundalliierter Italien. Hier wurde Senator Mortara zum Generalprokurator am Kassationshofe in Rom, also zu der höchsten staatsanwaltlichen Stellung im Königreiche, ernannt. Die italienischen Blätter begrüßen diese Beförderung als eine höchst verheißungsvolle Tatsache für die Weiterentwickelung besonders der Strasprozeßordnung in ihrem Vaterlande. Mortara, der gelehrte Kommentator der gesamten italienischen Gesetzgebung, ist der Begründer einer neuen, freisinnigen und durchaus modernen Richtung auf dem Gebiete des Gerichtsverfahrens. Auch in Großbritannien ist ein Jude zu einem der vornehmsten juristischen Aemter ernannt worden: zum Attorney General oder höchsten Vertreter des Staates und Berater der Regierung in rechtlichen Fragen. Es

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