Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Vom Studium der heiligen Schrift und der Kunst des Übersetzers bei den deutschen Juden der alten Zeit
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 1)
- Language
- German
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Bom Studium der heiligen Schrift und der Kunst des Ueberfetzens bei den deutschen Juden der alten Zeit von W. S t a e r k, Jena. 1. Mgölie man über Luther's Bibelübersetzung längst vergefsen hat, daß es schon vor ihm Uebertragungen von Teilen der Heiligen Schrift oder von allen Büchern derselben in deutsche Mundarten gegeben hat, so wissen auch bei den Juden nur Wenige noch etwas von der langen und wechselreichen Geschichte der Uebersetzungen heiliger Schriften ins Deutsche, durch die die Juden im ausgehenden Mittelalter und im Beginn der Neuzeit das Wort Gottes bei der Menge, besonders den Frauen und Kindern, lebendig zu erhalten suchten. Selbst Gelehrte, die das Studium dieser Geschichte zu ihrer Lebensarbeit gemacht haben, sind an diesen jüdisch-deutschen Bibelübersetzungen, achtlos vorübergegangen, wie der sonst so gelehrte und umfassende Artikel des verstorbenen E Nestle über diesen Gegenstand (in der großen Real-En cyklopaedie für Protestantische Theologie^ HI S. 59 ff. > beweist. Wie ist das zu erklären? Nicht aus Mißachtung dessen, was deutsche Juden in alter Zeit für die Verbreitung der heiligen Schriften unter ihren ungelehrten Volksgenoffen geleistet haben, sondern weil diese Literatur seit der Aufklärungszeit fast völlig in Vergeffenheit geraten ist. Als Moses Mendelssohn i. I. 1780 seine neuhochdeutsche Uebersetzung der Thora zu veröffentlichen begann, war es aus mit dem Interesse an den älteren Verdeutschungen der Bibel, die sich des traulichen mund- 2