Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Kaddisch
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 126 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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— 126 — ist, ist wahr, — der Jude kann nicht gewalttätig sein. Vielleicht liegt's in der Rasse, vielleicht ist's am Ende nur Feigheit. Bro nislaw a. Bei dem Gesindel kennt sich kein Mensch aus. — Aber du mußt dem Pawel den Befehl geben, einmal zu wachen, um zu sehen, was es wohl mit diesen nächtlichen Streifungen für eine Bewandnis hat. Wolowski (mit einer leisen Handbewegung). Es Wird wohl nichts sein, jedenfalls nichts von Bedeutung. Ich denke mir, es sind gewiß die Friedhofsleute, die jüdischen Bettler von dem Armenhäuschen drüben, die mitunter nach Mitternacht von eines Reichen Hochzeit kommen. Es ist schon so ihre Art, nächtens wie die Katzen zu schleichen und sich gleich einer Diebesbande im Flüstertöne zu unterhalten. (Marya tritt auf.) M a r y a (gibt der Mutter das Schreibheft, das sie in der Hand hält.) Sie sind alle darin — die hohen und allerhöchsten Herrschaften — niemand fehlt. Bronislawa. Das konnte ich mir denken. Ich Hab sie alle im Kopfe. (Nachsinnend.) Da fällt mir gerade ein, — sind die Zaleskis darin? Marya. Mir scheint, nicht. Bronislawa. Na, siehst du. — Daß ich aber an alles selber denken muß. Wolowski. Wir wollen jetzt gleich die Adresien schreiben. Mama wird sonst mit dem Studium des Registers nie fertig. (Alle ab.) (ES dunkelt. Die Abendschatten weichen. Die Nacht bricht herein. Ab und zu sieht man eine geduckte Gestalt draußen am Fenster vorüderhuschen; sie taucht auf und verschwindet wieder.