Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Kaddisch
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 121 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Zweiter Aufzug. Sin Zimmer in der Villa Wolowskis. Der Fußboden ist ganz mit einem dunkelroten Teppich belegt. In der Mitte ein runder Tisch mit vier Sesseln; an beiden Seitenwänden je ein hochlehniger Sessel. Die Tischdecke und der Überzug der gepolsterten Möbel sind aus dunkelrolem Plüsch. In derselben Farbe, nur einen Ton lichter, sind die Tapeten. Über dem Tisch eine bronzene Hängelampe mit Zugvorrichtung. An der Hinterwand ein poliertes Schränkchen. An den Wänden hängen mehrere Bilder. Seitwärts links ein Fenster, durch das von der Straße her eine alte Linde hereinsieht. Es ist Abenddämmerstunde. Das Zimmer ist in ein freundliches Helldunkel gehüllt. S i m s o n sitzt am Tisch in ernster ruhiger Haltung; er ist glatt rasiert, was seinem Aussehen etwas Jünglinghaftes verleiht. Neben ihm steht Mary a; sie hat ihren Arm um seinen Hals gelegt, den Kopf ein wenig gesenkt, und blickt ihm liebevoll und vergnügt in die Augen. Marya. Warum tust du das, Simson? — Warum nennst du mich nicht so wie alle Welt mich nennt? Simson. Giltst du mir so viel wie aller Welt? Marya- Du Schelm! Nenn mich nur weiter so! — Ich höre es so gerne. Simson (voll Zärtlichkeit). Mirjam! (Sie umarmt und küßt ihn.) Marya (brünstig; kaum merklich am Körper bebend). Noch einmal! Simson (wie oben, nur mit kräftigerer Stimme). Mirjam! Marya. Schön klingt der Name, wie du ihn aussprichst. — Ich höre ihn so gerne.