Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 23 (1920)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5679
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 — gedenkt, das bleibt aLzuwarten. Je näher die Verwirklichung dieses schönen Traumes zu kommen scheint, desto klarer wird's, wie weit man von ihr noch entfernt ist. Verkehrshemmnisse, politische und wirtschaftliche Schwierigkeiten stehen noch im Wege, Widerstände der Araberstämme — auch beim besten Willen der Ententemächte heißt's die Ungeduld zügeln. Bei so weitgesteckten Zielen kommt es freilich auf eine Generation nicht an — das Judentum ist langlebig! Bestimmter als das, was wir etwa durch den Kriegsabschluß und die Friedensbedingungen gewonnen haben könnten, tritt das hervor, was wir, zu unserem schweren Leidwesen, verloren. Uber 100,000 Juden, treubewährte Deutsche jüdischen Bekenntnisses, werden dem Reiche durch die Gebietsenteignungen in Ost und West, im Elsaß, Posen, Ostpreußen, Danzig entrissen. Wie bitter wir diesen Entgang empfinden, wie hart er die Juden in den abgetrennten Landesteilen trifft, das kann nur verkennen, wer durch das Gift antisemitischer Verleumdung unheilbar verwirrt ist. War nicht beim Einzug der Franzosen in Straßburg der Rabbiner der einzige Geistliche, der der Empfangsfeier demonstrativ. sernblieb? War nicht bei der Abstimmung über die Annahme der Friedens-, bedingungen ein jüdischer Minister im Schoße der Regierung derjenige, der für Ablehnung stimmte? Hat nicht jeder Tag Proben opferfreudiger Liebe unserer Glaubensgenofien zum deutschen Vaterlande gebracht? Und dennoch die tausendfach hinausgeschrienen Lügen von der jüdischen Schuld am Zusammenbruch! Was sagt unser Lehrmeister Goethe: Wer's Niederträchtige Niemand sich beklage. Denn es ist das Mächtige, Was man dir auch sage!