Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- August von Hennings, der Freund Moses Mendelssohns
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 147 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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147 Hennings hat übrigens eine Herausgabe der an ihn gerichteten Briefe Mendelssohns vorbereitet. Die Einleitung findet sich im 2. Band seines Nachlasses S. 16? ff.: Auszüge aus ungedruckten Briefen von Herrn Moses Mendelssohn. Der Ruf der Wissenschaften hat den Namen des berühmten Mendelssohn unter, uns sowie im übrigen Europa verewigt. Wir kennen seine Schriften und lesen sie zum Theil in unserer Sprache, wir wissen aus der Geschichte der Litteratur, wovon auch in der vortrefflichen Berliner Monatsschrift eine kurze Wiederholung enthalten ist, wieviele Verdienste Mendelssohn um den deutschen Geschmack und um allgemeine Aufklärung und Bildung des Geistes hatte. Weniger bekannt ist uns vielleicht der moralische Charakter dieses Mannes; die praktische Weisheit, die er noch besser übte als lehrte, ohne die Philosophie ein Gedicht ist, durch die ein öffentlicher Lehrer so wenig ein Weiser wird, als der Heldendichter durch fein Gedicht ein Held. Mendelssohn war in der Tai, was er in seinen theoretischen Arbeiten zu sein versprach; man fand erst alles, was man erwartete, in ihm, wenn man ihn kannte. Unerschütterte Gleichheit des Gemüths, diese edelste Seelengrötze, nicht immer weicher Seelen-Zuftand, der keiner Anstrengung fähig ist, und im unschädlichen Pflanzenleben die Tage, sich immer gleich, dahinfließen lasset, sondern die immer richtige und ruhige Durchschauung der Bestimmung des Menschen in Pflichten und Lehren, in spekulativischen Begriffen und in Handlungen, war sein Charakter; durch ihn ward er denen, die ihn am nächsten kannte::, am verehrungswürdigsten und theuersten, durch ihn ward sein Umgang so lehrreich und zugleich mit der gefälligsten Grazie überströmt, die Socrates so sehr seinen Schülern empfahl. Vielleicht würde der tägliche Umgang mit ihm, den ich fast Zwei Jahre lang genoß, mir das Recht geben können, das verdiente Lob des Weisen weiter fortzusetzen. Aber sicherer noch, als aus den innersten unserer Empfindungen dem Leser unsere Gedanken vor- Zulegen, ist es, den Mann selbst handelnd einzuführen, dessen Andenken man unter seinen Zeitgenossen eine Stunde der Betrachtung, — und der Wehmuth, ihn verlohren zu haben, widmen mögte. Hiezu schaffen mir einige seiner Briefe Gelegenheit, die seine Denkungsart in zweenen Fällen entwickeln, wo der Weise sich groß und das Herz sich edel zeigen kann, und wo, wie der Dichter sagt, stille Empfindungen Handlungen vor Gott sind. Der eine Fall betrifft eine Verfolgung, die aus Mendelssohns eigener Nation gegen ihn erregt wurde, als er die Sprache, den Geschmack, und vielleicht auch die theologischen Kenntnisse der Juden durch eine reine Bibelüberfetzung zu bilde:: suchte. Der zweite betrifftLessings, seinesFreundes,Tod. Wir wissen freilich schon, wie Mendelssohn sich bey Angriffen gegen ihn und bey gelehrten Streitigkeiten betrug. Seine Antworten an Lavater, an den Ritter Michaelis; seine bis zur Wärme des Eifers getriebene edelmüthige Vertheidigung Lessings