Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5667
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 17 (sequence 13)
- Language
- German
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17 Teil der Auswanderung aus dem östlichen Europa nach den südlichen Häfen der Vereinigten Staaten abzulenken. Der Hilfsverein der deutschen Juden und das Londoner Komitee der zionistischen „Jto" unterstützen eifrig dieses segensreiche Unternehmen, das bereits in der Ausführung begriffen ist. In New-Dork selbst steht der rühmlichst bekannte Jakob H. Schiff an der Spitze eines „Fortführungs- Komitees", das die in dieser Stadt schon gelandeten jüdischen Einwanderer möglichst in das Innere der Union verpflanzt. Es wird hier eine gewaltige Summe edler und segensvoller Arbeit geleistet. Inzwischen steht in New-Aork, das mit seinen großen Vororten mindestens 900 000 Juden beherbergt, das jüdische Leben in voller Entfaltung. In New-Iork selbst gibt es etwa 900, in dem Vororte Brooklyn 80 Gemeinden! Der „Cheder" ist eine allgemeine Einrichtung geworden, die „jiddische" Presse hat einen gewaltigen Umfang angenommen, und auf „jiddischen" Bühnen werden Dramen: „jiddischer" Dichter in Menge aufgeführt. „Jiddische" Redner schaaren Tausende um ihren Lehrstuhl. Kurz, unter dem belebenden Einflüsse der Sonne der Freiheit blüht das östlich jüdische Wesen in seiner Eigenart kräftig auf. Freilich, das jüngere Geschlecht ist eifrig an der Arbeit, sich möglichst der Sprache, Sitte und Denkweise der neuen Heimat anzupassen. Und das ist kein Schade. In der alten Heimat, in Rußland, haben sich die Aussichten für die Juden während des vergangenen Jahres lediglich verschlimmert. Die Wahlen zur zweiten Duma fanden sie selber geteilt und entmutigt, sodaß nur vierjüdische Abgeordnete in diese Körperschaft eintraten. Deren Verhandlungen brachten den Juden keinerlei Erleichterung ihrer traurigen Lage, und bald wurde die Duma wieder aufgelöst und heimgesandt. Aber auch die Regierung tat nichts Entscheidendes in der Judenfrage. Und mit gutem Grund. Denn der reaktionär - frömmelnden Umgebung des Zaren ist es gelungen, diesem die Juden seines Reiches als ebenso viele verabscheuenswerte Revolutionäre zu schildern Er begünstigt deshalb ganz offen die „Vereinigung echtrussischer Leute", die neben der Bekämpfung