Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5667
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 15 (sequence 11)
- Language
- German
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15 der großen südafrikanischen Kolonie Natal. Der edle Philantrop und Führer der orthodoxen Partei unter den englischen Juden, Sir Sarnuel Montague, ward, trotz seiner politisch radikalen Richtung, als Lord Swaythling in den Hochadel erhoben. Nicht minder vorurteilslos stellen sich die englischen Kolonien dar. In Kanada erschienen die Minister Patterson und Aylesworth in einer jüdischen Versammlung, um zu erklären, daß die Regierung die Einwanderung der unglücklichen Juden Rußlands mit voller Sympathie begrüße und diesbezügliche Bestrebungen und Pläne gern unterstützen werde; denn in Kanada sei einem jeden Freiheit und bürgerliche Gleichheit gewährt. Wirklich wanderten dort während des Jahres 1906 nicht weniger als 7127 Juden ein, darunter 6056 Russen. Und von diesen waren nur 183 Händler, aber 267 Landwirte, 1870 Handwerker, 489 Arbeiter, 5 Bergleute. Man sieht, was es mit dem so oft erhobenen und selbst von unseren Glaubensgenossen als wahr angenommenen Vorwurfe auf sich hat, die russischen Juden seien allesamt Schacherer und Hausierer! Der Grundsatz unbedingter Gleichberechtigung der Angehörigen aller Bekenntnisse ist der angelsächsischen Bevölkerung sämtlicher Erdteile in Fleisch und Blut übergegangen. Ein sehr angesehener Israelit, Isaak Alfred Jsaacs, bisher höchster Bundesanwalt des Staatenbundes von Australien, ist zum Mitgliede des höchsten Bundesgerichtshofes ernannt worden. Aber mit dieser rühmlichen Stellung wird die Laufbahn des durch eigene Kraft aus der bescheidensten Lebenssphäre aufgestiegenen, fünfzigjährigen Mannes nicht abgeschlossen sein; jedermann sieht in ihm den zukünftigen Premierminister von Australien. Auch außer ihm bekleiden zahlreiche Juden in diesem Lande hohe politische und richterliche Aemter. Die innere Lage der australischen Judenheit ist leider weniger glänzend, als die äußere. Der religiöse Jndifferentismus ist dort weit verbreitet, ltnb die häufigen Mischehen nagen an ihrem Bestände. Die zunehmende Kolonisierung des englischen Südafrika zieht eine immer beträchtlichere Anzahl von Israeliten in diese Gegenden, und stets neue jüdische