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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 274

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 274 (sequence 73)
Language
German
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274 Dir erzählte. Leutnant von Kobold, ein Vetter des sauberen Herrn von Wörlitz, hatte vor einigen Wochen, kurz nach Elsens Scheidung, als bei einem Liebesmahl im Offizierskasino über die Affaire gesprochen wurde, gesagt: Die Reitpeitsche ist für getaufte Judenmädel gerade gut genug. Diese Aeußerung wurde Erich hinterbracht, er stellte den Leutnant und als von Kobold sich weigerte, seine Aeußerung zu reduzieren, ließ er ihn fordern, worauf dieser prompt erklärte, er halte einen getauften Juden nicht für satisfaktionsfähig. Erst das Ehrengericht entschied zu Erichs Gunsten und er durfte dann der Ehre teilhaftig werden, von Herrn von Kobold über den Hausen geschossen zu werden. . . ." Nebenan räusperte sich der Kommerzienrat. „Der Vater ist erwacht!" sie bedeutete mit dem Finger Schweigen, „Niemals darf er von diesen Vorgängen etwas erfahren und wenn wir Berlin noch einmal und für immer verlassen müßten. . . ." „Mutter!" „Niemals . . . niemals!" Samuel Löwenberg hat nichts erfahren von diesen tieftraurigen Ereignissen. Er hatte am Versöhnungstage noch dem Gottesdienst beigewohnt, ihm zur Seite seine drei blühenden Söhne. Ein Bild schönsten Glückes, stolzer Freude bot die Familie, als sie am Abend des großen Tages den Tempel verließen und der Kommerzienrat, gestützt auf den Arm seiner Gattin, umgeben von seinen Kindern und Schwiegertöchtern dem Wagen zuschritt. Aufrecht, wie ein gerader Mann ... und doch einer der heute unausgesetzt gebeugten Herzens an seine nächsten Anverwandten, an seine. Mischpoche gedacht hatte. ... „Wir haben Schuld auf uns geladen . . abtrünnig uns bewiesen", hatte er aus erschütterter Seele während der Gebetsübungen der heiligen Stunden ausgerufen, „wir haben Schuld auf uns geladen . . . abtrünnig uns

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