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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 272

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 272 (sequence 71)
Language
German
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272 daß er seine Frau brutalisierte. Else, die mit den Kindern aus dem Gute war, während er seine Zeit meist in Berlin verbrachte, im Klub oder bei seiner Maitresse, einer bekannten Schauspielerin, die weniger Künstlerin als Kokotte . . . Pardon, Mama, einen unerhörten, frechen Aufwand trieb, wurde von ihm dazu angehalten, immer neue Summen von ihrem Vater zu verlangen, und als sie sich endlich dem widersetzte, gab es eine abscheuliche Szene, in der der wüste Mensch sie mit der Reitpeitsche derart traktiert haben soll . . . daß die Domestiken sich einmischten ..." Die Kommerzienrätin streckte die Hände wie abwehrend von sich. „O, Georg . . . Georg . . . wie entsetzlich . . . wie fürchterlich . . . wie häßlich und gemein ..." „Ja, Mama . . . gemein! Du hast recht . . . Das sind die Folgen dieses Strebens, sich anderwärts breit zu machen, den angestammten Boden zu verlassen und Treu und Glauben zu verleugnen!" „Du bist hart, Georg!" „Das Leben schmiedet uns, Mama! Und was man sieht, erlebt, erfährt, macht nachdenklich und ernsthaft „Armer, lieber Junge!" „Ach, Mama" — er erfaßte ihre Hand und küßte sie . . . „das geht auch wieder vorüber . . . aber es war ein bischen viel, was so in diesen letzten paar Jahren uns die . . . die ... die liebe Mischpoche bescheerte. Wäre es wenigstens noch bei Sorgen, Kummer und Skandal geblieben! ... Es hieß allgemein, die Vermögensverhältnisfe des Onkel Julius wären erschüttert, wir glaubten es anfangs nicht, aber als eines Tages Arthur von der Börse kam, mit der Nachricht, Sperling sei verschwunden, und allerhand Befürchtungen laut wurden von Veruntreuungen und Unredlichkeit in der Geschäftsführung der Aktienbrauerei, da hielten Max und Arthur es doch für erforderlich, sich dem Onkel zur Verfügung zu stellen, falls er ihres Rates und chrer Hilfe bedürfe . . „Das war recht von meinen wackeren Söhnen . . . ja . . . und dann? ..."

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