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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 234

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 234 (sequence 33)
Language
German
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234 bitter gekränkt hätten, aber Du, der stets wie ein Vater zu mir gestanden, bist ein moderner Mensch und Wirst mich verstehen. Du weißt, daß ich es nicht geradezu, beabsichtigt habe, mich und die Meinigen dem Judentum zu entfremden. Ich bin in Glaubenssachen seit vielen Jahren völlig indifferent und es ist Wohl nur ein Zufall, daß meine Kinder mit ihren Anschauungen und Neigungen dem Christentum sich zuwandten, das, wie Erich mir immer versichert, doch nur die Fortentwicklung des Judentums bedeutet . . . ." „Erich" .... platzte Georg heraus. Ein Wink der Mutter bedeutete Stillschweigen, aber auch Arthur sagte: „Erich als Religionsphilosoph, das ist grotesk. Du entschuldigst die Unterbrechung, Papa..." „Ob nun Erich oder ein anderer, jedenfalls versuchte mein . . . . versuchte Julius Löwenberg sich auch ethisch mit der Sache auseinanderzusetzen, denn er fährt fort: „und im Uebrigen, Religion ist nur dann Religion, wenn wir sie in jeder Form ehren. Warum soll ich die christliche Religion nicht ehren nnd zu der meinen machen, wenn alle meine Kinder und Enkel diese Religion bevorzugen und zu der ihren machten?" Jetzt ging es wirklich wie ein leises Lachen durch den kleinen Kreis, und Betti, die reizende, sehr geistvolle Frau des ältesten Sohnes Max, umschlang die neben ihr sitzende Dorochea und barg das Antlitz der jungen Schwägerin an ihrer Schulter. Aber mit keinem Worte unterbrach man den Borlesenden. „Irene, meine älteste Tochter und ihr Gatte, der Brauereidirektor Sperling, sind, wie Dir bekannt ist, schon seit drei Jahren getauft, sie taten es, um ihren beiden Söhnen, meinen Enkelchen Hans und Paul, die Karriere nicht zu erschweren, Else nahm im vorigen Jahre den christlichen Glauben an, weil ihr Bräutigam, der Baron Oberleutnant von Wörlitz, es verlangte, und Erichs Neigungen und Interessen wandten sich einem Stande zu, der den Juden verschlossen ist und ewig bleiben wird. So sind Marie und ich die einzigen, die - abseits von Kindern und Enkeln noch einer Religion angehören, deren Ehrwürdigkeit gewiß

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