Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 24)
- Language
- German
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44 ferner die Streitschriften gegen Rumänien von Ch arn e t und Ronanet, eine sehr wichtige Arbeit über die Kriminalität der Juden von G. Blau, eine geistvolle Satire auf dem Terreurjuive vonU. Gohier, das Buch von A.Nußbaum über den Blutprozeß von Polna, das hoffentlich Veranlaffung zu einer Revision des Prozesses geben wird, eine lesenswerte Broschüre von S. Borns: Sollen und dürfen die Juden zum Christentum übertreten? und eine andere von G. Balakan: Die Sozialdemokratie und das jüdische Proletariat. Auch eine Reihe von Streitschriften für und gegen den Zionismus wären zu verzeichnen, die aber zur Erkenntnis dieser Strömung nur wenig Förderndes beigetragen haben. Mehr als in seiner politischen zeigt sich heute in der schönen Literatur eines Volkes sein innerstes Seelenleben. Alle Richtungen des Geistes, alle Schwankungen des Gemüts kommen hier zu ihrem Ausdruck und zu ihren: Recht. Wenn man also nach den Erscheinungen auf diesen: Gebiete das jüdische Leben, beurteilen will, so wird n:an annehmen müssen, daß hauptsächlich zwei Strömungen dieses in seinen Tiefen bewegen, nämlich die Frage nach der Zukunft des Judentums, nach seiner Stellung zu den herrschenden Religionen einerseits und die damit eng zusammenhängende: Wie soll sich diese Zukunft gestalten? >Loll sie durch Assimilation oder Neuaufrichtung der Nationalität herbeigeführt werden? auf der anderen Seite. Der Roman des Jahres ist Jettchen Gebert von Georg Hermann. Der Roman ist mit einer Liebe und Begeisterung, einer Belebung aller Einzelheiten und einer Beseelung der Menscher: gezeichnet, wie man es heute feiten mehr findet. Er ist eigentlich altmodisch wie sein Vorwort, ist schlicht erzählt, mit einem unaufdringlichen ruhigen Humor, der über Menscher: und Dinge gebreitet ist. In Berlir: war im Vormärz bis zum Beginn der vierziger Jahre ein kulturfeines, demokratisches und doch in: besten Sinne preußisches Judentum, das seinen reinsten Ausdruck in den Salons, wie zr:m Beispiel in dem einer