Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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156 erhielt, teilte seinem Freunde von Auerswald die Anwesenheit Mendelssohns in Königsberg mit den Worten mit *): „Donnerstag kam Mendelssohn an, Sonntag ließ mich Kant zu sich rufen und sagte mir, Mendelssohn sei bei ihm gewesen und habe mit ihm unter anderem auch von mir gesprochen, ob ich nämlich nicht an Maiers Stelle, der kürzlich gestorben, Professor in Halle werden wollte. Der Minister von Zedlitz habe ihm (Mendelssohn) aufgetragen, einen zu der Stelle vorzuschlagen und er wolle es auf Kant ankommen lassen." Die Anwesenheit Mendelssohns in Königsberg erregte damals das größte Aufsehen. Auch die Tagespresse beschäftigte sich mit derselben; so schrieb z. B. „die Königsbergische Zeitung"**): „Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr verließ Herr Moses Mendelssohn seinen Aufenthalt in dieser Stadt und trat die Rückreise nach Berlin an. Wir hatten ihn lange vorher als einen tiefdenkenden Philosophen und geschmackvollen Kenner der Werke des Witzes verehrt; und bewundern nun in ihm, mehr als alle Gelehrsamkeit, die eitel, vergänglich und unnütz ist, ein gut und edel denkendes, der Freundschaft fähiges und für alle ihre sanften Empfindungen offen stehendes Herz. Er hat sich keiner Gesellschaft, die chn zu kennen begierig war, aus zurückhaltendem Stolz entzogen, sich aber auch keiner einzigen zugedrängt. Auf besondere Veranlassung hat er einige der Größten unserer Stadt, unter anderem Ihre Exzellenzen Herrn Grafen von Kayserling und Herrn Kanzler von Korff gesprochen und überall hat man ihn weit über alle Erwartungen gefunden. Doch waren brillante Gesellschaften und große Welt wohl nicht das, was ihm am meisten gefiel und er vergnügte sich weit mehr in einer ganz kleinen Gesellschaft auserwählter Freunde, denn an der übertriebensten Bewunderung der feinen, großen und artigen Welt." Der Tod Moses Mendelssohns erschütterte Immanuel Kant aufs tiefste und er, der den öffentlichen Aufführungen von geistlicher Musik oder von Konzerten sonst fast nie bei- *) Voigt: Leben des Professors Kraus. Königsberg 1819. Seite 68. **) Vom 21. August 1777, 67 Stück, Seite 267. Vergl. auch H. Jolowicz: Geschichte der Juden in Königsberg (Posen 1867), Seite 97.