Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 37)
- Language
- German
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195 ich um deren Betrag, damit ich die Schuld bezahle. Die Unterschrift unter meinem Bilde habe ich den 11. April, während die Dame Meyer bei mir war, angefertigt. Von Schleiden habe ich seine judaica nicht gelesen; daß er meine Bücher nicht kennt, wundert mich nicht: es würde mich wundern, wenn er sie kennte. Er braucht ja nicht mehr zu wissen, als die gelehrten deutschen Akademiker. Ueber סבסחין und 1נתן הבבלי) weiß ich nichts mitzutheilen. Das Vitry-Machsorms. habe ich vor etwa 30 Jahren excerpirt, das Ms. ist frühestens aus dem 13. Jahrhundert; vieles daraus ist in meine Lit. der syn. Poesie übergegangen, die Steinschneider (Katalog der hebr. mss. der Hamburger Bibliothek, Vorr. S. XIII) eine Riesenarbeit nennt. Jetzt hat das Riesenthum bei mir ein Ende: ich leiste nichts mehr, denn nicht nur mein Gemüth leidet, auch der Körper versagt seinen Dienst. Da jeder Mann, selbst 2משה רביבי), einmal aufhören muß, so habe ich keinen Anspruch, eine Ausnahme zu machen. Das darf Sie, der noch jung und frisch ist, mir längere Briefe zu schreiben, nicht abhalten: ich, der Müßigsitzer, habe sie zu lesen Zeit. Darauf hoffend, schließe ich heute. Stets achtungsvoll und ergebenst Berlin, 16. Mai 1878. Zunz. 42. Kaufmann an Zunz. Hochverehrter Herr Dr.! Ich war die Tage über, als Ihr Brief eintraf, stets bei Ihnen. Die Beschäftigung mit Schleidens Aufsatz, den ich Sie zu lesen bitte, hat mich wieder einmal zu einer Versenkung in Ihre Schriften bewogen, die ich nie zu flüchtigem Blättern, sondern stets zu andächtigem Verweilen in die Hand nehme. Ich habe in einem eben fertig gewordenen Berichte über die Wissenschaft des Judenthums, an dessen Erscheinen ich noch sehr zweifle3), gar oft Gelegenheit gehabt, mich Ihrer Worte und Aussprüche zu bedienen. Sie werden mir hoffentlich darin zustimmen, daß Schleiden das Kapitel ״Leiden" in der synagogalen Poesie^) nicht gekannt hat und den berühmten ersten Satz anderswo aufgelesen, wie auch darin, daß er weit mehr als für seine erste fehlerhafte Arbeit, für diese Dank verdient. Ich sehe, daß Sie wirklich mit Zusendungen 1) Nathan Ha-Babli. 2) Unser Lehrer Moses. 3) Weder weiß ich, was für ein Bericht gemeint ist, noch ob ein solcher erschienen ist. 4) S. 9—58. 13*