Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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109 Damit habe ich das mitgetheilt, was zu sagen mein Gefühl mich schon seit Langem drängte, und ich danke Ihnen dafür, daß Sie die Freundlichkeit hatten, mich anzuhören. Einer der größten Männer der Gegenwart, ihr größter Philosoph/ der unerreichbare Interpret der ganzen Vergangenheit der menschlichen Gesellschaft und der Gründer einer neuen Wissenschaft, der Sociologie, Herbert Spencer, sagt, daß „die Aerzte die Führer der zukünftigen Menschheit sein werden". Ist diese Weissagung wahr, dann eignet den jüdischen Arzt für die großen Aufgaben der Zukunft die edle Tradition einer vieltausendjährigen Vergangenheit in besonderer Weise. Wollte ja diesen Beruf des Arztes schon vor 900 Jahren verwirklichen der Flammengeist des Verfassers des More Nebuchim, Maimons großer Sohn. Will der jüdische Arzt seinen Platz unter den Führern der Menschheit der Zukunft, dann muß in ihm erhalten werden, muß in ihm fortleben: die reine Erkenntniß und das edle Selbstbewußtsein seines Berufes, die Verehrung der Wissenschaft, die Liebe zur Menschheit, der Fleiß, die Ausdauer und der sittliche Ernst seiner Race, es muß ihm für die großen Aufgaben der Zukunft erhallen bleiben, was auch im More Nebuchin sich so mächtig offenbart: das goldreine Herz und der stahlscharfe und stahlharte Geist des wahren Juden.