Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5659
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 17)
- Language
- German
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21 krawallen in der Stadt New-Aork und dem Staate Massachusetts geführt hat. Allein diese Dinge haben glücklicherweise keine weitreichende und bleibende Bedeutung und können die politische, geistige und gesellschaftliche Stellung der nordamerikanischen Judenheit nicht aus die Länge schädigen. Allen denjenigen Juden, die sich durch die Gesetzgebung, Verwaltung oder Volksstimmung des Landes, wo sie bisher wohnten, verletzt fühlen, versprach der Zionismus eine wahre Heimath im heiligen Lande zu schaffen. Das war eine schöne und hochherzige Idee — aber leider eine Utopie, die an der brutalen Macht der wirklichen politischen Verhältnisse zerschellen mußte. Man hat das den begeisterten Führern der zionistischen Bewegung vom Beginne an vorausgesagt. Jetzt kommen sie selber zu der Erkenntniß, daß ihre ursprünglichen Ziele zu weit gesteckt waren. Wie die Verhandlungen des am 15. August 1899 und den folgenden Tagen, wiederum in Basel, abgehaltenen dritten Zionistenkongresses beweisen, läuft der Zionismus mehr und mehr auf eine Förderung der jüdischen Ackerbaukolonisation in Palästina hinaus. Mit diesem, zumal für unsere polnisch-russisch-galizischen Glaubensgenossen, so überaus segenverheißendem Ziele können wir nur unsere volle Sympathie aussprechen. Allerorten Kampf, fast nirgends Friede! Aber der Kamps ist das Zeichen kräftigen Lebens und Strebens. Je mehr Feinde, je mehr Ehre. Und trotz aller äußern Gegner, trotz Verraths und Abfalls im Innern, werden wir unsere ruhmreich zerschossenen Fahnen tapfer und zuversichtlich in das neue Jahrhundert hinübertragen.