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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 264

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Schmah Jisroel
Date
1909-01-01
Page
264 (sequence 2)
Language
German
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264 Verlegenheit, Zorn und Schmerz, die nach und nach einem Ausdruck von Ratlosigkeit Platz machten. Der Bruder schwieg endlich, er wischte sich dicke Schweißtropfen vom fetten Gesicht, das hilflos blickte. Die ganze kleine runde Gestalt machte den Eindruck der Energielosigkeit, der durch eine kraftlos herabhängende, dicke Unterlippe noch verstärkt wurde. Die linke Hand spielte mit einer abgerissenen, altmodischen dicken Uhrkette oder zupfte unruhig an der reinen, aber verwaschenen Weißen Pique- Weste, während seine Rechte nervös die grauen, dünnen Bartkotelettes strich. Obwohl das Gespräch ein geheinies bleiben sollte, waren doch zahlreiche Sätze an unser Ohr geflogen, von der unterdrückten Leidenschaft über die heimliche Sprechweise hinausgetrieben. „Kannst Du denn auf gar fei’ Weis' Dei' Vermögen zurückkriegen?" " „Nein, nicht solange Tamany-hall regiert, das sind nämlich die Demokraten, größtenteils Irische, die mögen uns Deutsche nit. Außerdem war ich immer bei der republikauischen Partei!" „Aber Recht muß doch auch in Amerika Recht bleiben!" " „Jawohl, aber beim Zoll ist schwer zu sagen, wer Recht hat. Sie behaupten, meine Spitzen seien alle zu billig verzollt gewesen. Nu is' seit drei Jahr' alles konfisziert, die War', das Geld und die Bücher, und ich, ich könnt' verhungern, wenn die Mädels nit wären. —" -1 „Die Frau hat nie. was gesagt?" " „Nein, bei ihren Lebzeiten war Ruh'. Ich Hab' von ihr nit verlangt, sie soll jüdisch wer'n, sie hat mich nie katholisch machen wollen; die Kinder sein katholisch wor'n, und weil's Mädeln sind, Hab ich ihr das Recht lassen.- Erst haben sie das eigene Zimmer mit Heiligen-Bildern vollgehängt, dann sind sie in mein' Stuben gekommen. Ueberm Bett die heilige Maria, mit Schwertern und Dolch in der Brust, am Tisch ein Kruzifix —- heimlich — bei Nacht — wie ich aufsteh', erschreck ich, daß ich mein', der Schlag trifft mich!"

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