Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Feine Seelen
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 206 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Lebensbilder von Ulrich Frank. ®er junge Bildhauer hatte uns deutlich bewiesen, daß -die Rassenmerkmale eines Volkes unverwischbar sind. Jmmerwieder, auch innerhalb der vielgepriesenen Kreuzung, werden irgendwelche Kennzeichen zum Vorschein kommen, die verräterisch Ursprung und Art offenbaren und das Unvertilgbare der Rasse beweisen. Sehr ernst und nachdrücklich hatte er seine Ansichten ausgesprochen, mit der Emphase des begeisterten, stolz empfindenden Juden, denn er sah einen Vorzug darin und keinen Mangel. Wir hörten nachdenklich auf seine Worte. Der berühmte Akademieprofessor, seine Gattin und Tochter und ich, der, wie so oft, zu anregendem Geplauder in seinem gastlichen Hause sich eingefunden hatte. Draußen heulte der Novembersturm durch die entlaubten Baumalleen des Tiergartens. Die graue düstere Stimmung des Herbstes durchschauerte die Natur, hier innen aber war alles hell und wohlig in: hohen künstlerischen Sinne. Juden in Glanz und Ruhm und in der Vornehmheit großer sozialer Position. Oft aber wenden dort Gedanken und Gespräch sich der Vergangenheit zu: Juden in Elend und Schmach, die um ihres Glaubens willen litten. Immer wieder beschäftigt diese traurige Tatsache die klügsten Köpfe, die treuesten Herzen. „Ist es anders geworden heut? Hat nicht nur in äußerlichen Formen sich manches verändert? Sind Juden nicht immer nur Juden? Verachtet, geduldet, beneidet!"