Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 178 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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178 heimliche Kulturkrankheit handele, von der man in neuer Zeit so viel hört: Verkalkung der Herzarterien. Doch da der untersuchende Arzt Glaser keine beunruhigende Erklärung gab, überließen wir uns anfangs gerne der trügerischen Hoffnung, „daß es Wohl nicht so schlimm sein werde/' Aber die Anfälle wurden immer häufiger. Aerztliche Kunst vermochte nur zeitweise Linderung zu verschaffen. Noch am 5. und 10. März konnte er die Wohnung verlassen, um den Abend im Restaurant zuzubringen, und er fühlte sich dort wohl; aber die Rückkehr war beide Mal schrecklich. Wie er die kurze Strecke von der Haltestelle der Straßenbahn zu seiner Wohnung am Ende der Theresienstraße sich mühsam dahinschleppte, wie er an einen Laternenpsahl gelehnt, lange Zeit brauchte, bis er wieder zu Atem kam, wie er endlich am Hause angekommen, sich auf eine Stufe hinkauerte, ehe er es wagen konnte, die zwei Treppen zu seiner Wohnung hinaufzusteigen — es war ein herzzerreißender Anblick, der mir lebenslang eine erschütternde Erinnerung bleiben wird. Aber seine tapfere Natur verleugnete er bis zum letzten Atemzuge nicht. Was er einmal während seiner Krankheit sagte: „Ich habe mich vor den Kugeln der Beduinen nicht gefürchtet, ich fürchte mich auch vor dem Tode des Erstickens nicht", war keine eitle Prahlerei. Würdig und mannhaft ertrug er die körperlichen und geistigen Qualen seiner Krankheit. Nur einmal sah ich ihn weinen: das war am 28. November 1907, als er uns (Professor Hommel und mir) einige Mitteilungen über seinen wissenschaftlichen Nachlaß machte und dabei darauf zu sprechen kam, was er gerne noch selbst veröffentlicht hätte und welche Unbilden er im Leben erduldet . . . . Aber er faßte sich rasch und sprach in ruhigem, sachlichem Tone weiter. Mit einer fast heiteren Ruhe sah er dem Tode entgegen. „Auf die Zugspitze steige ich nimmer", pflegte er