Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 50 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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50 interessante Werke, die wohl auch hierher gehören, sind die von A. Flesch, Der Jude, und von A. Fürst, Sitten und Gebräuche einer Judengasse. Flesch sucht in objektiver Weise und in der Form eines Dialogs zwischen einem „Frommen" und einem „Weltkinde" die charakteristischen Seiten des jüdischen Privatunä Gesellschaftslebens zu beleuchten. Das Buch zerfällt in 6 Hauptabschnitte, die folgende Ueberschriften führen: 1. Allgemeine Grundsätze der Religion, 2. Der Jude im Tempel, 3. Der Jude im Hause, 4. Die Freude des Juden, 5. Die Trauer des Juden, 6. Der Jude in der Gesellschaft. Nicht geringeres Interesse beanspruchen die Schilderungen von A. Fürst, der die alte Judengasse zu Eisenstadt in Ungarn, ihren Sitten und Gebräuchen, in eingehender Weise charakterisiert. Vielleicht darf ich sogar hier auch die ausgezeichnete Publikation von Ignaz Bernstein, Jüdische Sprüchwörter und Redensarten mitanführen. Seit 35 Jahren sammelte dieser edle Mäcen die Sprüchwörter und charakteristischen Redensarten. Das Buch ist daher ein ziemlich vollständiges. Es enthält das ganze von dem in Polen, Galizien und Rußland gesammelte Material. Die Sprüchwörter sind alphabetisch geordnet, welche an der Spitze der einzelnen oder der Gruppen fett gedruckt sind. Innerhalb jeder einzelnen Gruppe sind die Sprüchwörter ebenfalls in alphabetischer Ordnung aufgeführt. Zu Grunde gelegt ist die podolisch-volhynische Mundart, weil sie räumlich die verbreitetste ist und von einer verhältnismäßig zahlreichen jüdischen Bevölkerung des europäischen Ostens gesprochen wird. Von besonderem Wert ist das dem Buche Leigegebene Glossar, das allen Lesern, denen die Kenntnis der hebräischen, flavischen oder sonstigen fremdsprachlichen Elemente abgeht, eine genaue Erklärung derselben gibt. Der Herausgeber hat sich aber nicht etwa mit der trockenen Uebersetzung des Wortes oder der Phrase begnügt, sondern er war jedesmal bemüht, den Begriff ausführlicher zu entwickeln, besonders dort, wo kulturhistorische Momente hervorzuheben waren. Das Buch hat viele Freunde und Leser gefunden und wird deren hoffentlich noch mehr finden. Es ist die erste