Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5663
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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16 herbeizuführen, so daß mit einigen pekuniären Mitteln und einer gewissen Bildung ausgerüstete „Fremde" immer noch Eingang in die Kapkolonien erlangen können. Aber ein irgendwie zahlreicher Zufluß russischer und polnischer Elemente dorthin ist ausgeschlossen. Viel milder ist das neue Einwanderungsgesetz der Vereinigten Staaten von Nordamerika, die bei dieser Gelegenheit wieder einen wahrhaft freiheitlichen und duldsamen Geist gezeigt haben. Nur völlig hilflose Personen, die weder Geld noch Arbeitsfähigkeit noch Verwandte und Freunde in den Vereinigten Staaten besitzen, sind an der Landung zu verhindern — Bestimmungen, die man wahrlich den Gesetzgebern nicht verargen kann. Dieselbe Billigkeit und Toleranz erweist sich in der Tatsache, daß diejenigen Juden New-Iorks, die die Sabbatfeier beobachten, von der Heilighaltung des Sonntags befreit sind und an diesem Tage ihre Geschäfte öffnen dürfen. Es ist das ganz gewiß die einzig richtige Art, den Ruhetag von Staats wegen aufrecht zu erhalten. Sie hat leider keine Aussicht, in einem europäischen Staate zur Geltung zu kommen. Was verschlägt es da, daß man die gesetzestreuen Juden in ihren Geschäften schädigt, ihnen die Landwirtschaft tatsächlich unmöglich macht? Die Parteien von links und von rechts haben keinerlei Sympathie und Gerechtigkeit für diese achtenswerte Klasse der Bevölkerung; man sagt ihr: brich dein Gesetz oder gehe zu Grunde. Anders in Nordamerika. Nicht vom Osten, sondern vom Westen her scheint uns das Licht zu kommen. Dort, wo der Geist der Freiheit und Gleichberechtigung zur unbedingten und sebstverständlichen Herrschaft gelangt ist, kann und wird das Judentum, dessen Lebenshauch Freiheit und gleichberechtigtes Menschentum ist, sich schön und groß entfalten. Wenn längst die finsteren Machthaber an der Newa nur als traurige Erinnerung weiterleben werden, wird unsere Religion und wird unser Stamm auf dem Boden der neuen Welt eine glückliche Heimat gefunden haben, so von neuem die unerschöpfliche Lebenskraft des Judentums bewährend.