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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 124

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
Date
1903-01-01
Page
Seite 124 (sequence 5)
Language
German
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124 freuen, da der Zug, der eine Stunde vor dem meinen aus Paris abging, zwischen Toul und Liverdun elendiglich entgleist ist. Wir Nachfahrenden sind mit der Verspätung von vier Stunden davon gekommen. Mein vierzehntägiger Aufenthalt .in Paris hat dazu hingereicht, Stadt und Menschen, Bibliothek und Ausstellung kennen zu lernen. Ich habe zwar nicht alle sog. Sehenswürdigkeiten wie eine vorgeschriebene Litanei durchgenommen, aber das Bedeutende glaube ich wohl gesehen zu haben. Uebrigens hat mich stets die stille Hoffnung geleitet, daß ich wohl noch einmal Manches werde nachholen können. Die Stunden auf der Bibliothek haben eben den besten Theil des ohnehin kurzen Tages in Anspruch genommen. S. Sachs war mehrere Monate bereits in Aachen und Gent, als ich in Paris ankam, und ist auch während meiner Anwesenheit in dieser Stadt nicht zurückgekehrt. Wie mir B. Goldberg mittheilte, ist S. unheilbar krank und leidet fürchterlich, da er am Stehen und Sitzen gehindert ist. Er schreibt liegend, wenn er überhaupt schreibt. Der Katalog 1) ist eine Arbeit früherer Jahre und ist über die drei ersten Bogen nicht hinausgekommen. Ich habe auch die Günzburgsche Sammlung nicht sehen können, da durch die schwebenden Erbschaftsverhandlungen der Zutritt Fremden verwehrt sein soll und außerdem noch die Schlüssel nicht zu finden waren. Ich ließ durch den Sekretair der Allianz, Herrn Loeb, ein Exemplar des Katalogs von Günzburg selbst verlangen, ich habe aber die Antwort nicht mehr abwarten können. Jetzt wird sich übrigens einer der jungen Barone selbst mit der jüdischen Wissenschaft befassen und M. Jbn Esra's Tarschisch Herausgebers). Wie wird der schwermüthige Mann aufgeheitert werden, wenn er vernimmt, daß ein Baron sich seiner Reimspiele angenommen hat. Vivat sequens, möchte man ausrufen, aber weder die Barone noch die Freunde der jüdischen Litteratur sind unter den Juden so häufig anzutreffen. In Versailles hat mir eine mir unbekannte Arbeit von Ihnen die höchste Freude bereitet. Z. Kahn, der Zranck Rabbin von Paris, hat mir nämlich auf seiner Vllla den Brief vorgelesen, mit dem Sie Geiger heimgeleuchtet haben, und der jetzt in seiner Biographie^) abgedruckt ist. Haben Sie Ihre übrigen Briefe an G. nicht aus dem Nachlaß zurückverlangt oder erhalten? Es dürfte wohl deren eine ziemliche Anzahl vorhanden sein. Es handelt sich um den Katalog der hebr. Codices im Besitz des Baron Horace Günzburg. 2) Dies geschah in der That durch den Baron David Günzburg, aber erst im Jahre 1887. b) Geiger, Gesammelte Schriften V, S. 184.

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