Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5660
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 das bessere Gedeihen Eurer ökonomischen Zustände, dann werdet Ihr von uns eine Anleihe erhalten", — antworteten die Rumänen: „Erst gebt uns Geld, dann wird das dankbare rumänische Volk die Juden emanzipiren". Aber sie haben zu oft gelogen, um noch Glauben zu finden. Begreiflicher Weise hat der Antisemitismus Rumäniens endlich auch das benachbarte Bulgarien angesteckt. Es bildete sich eine antisemitische Partei, der weit verbreitete Zeitungen sich zu Gebote stellten. „Talmudmoral", „Ritualmord", kurz alle lügnerischen Hetzereien der Antisemiten wurden in das Volk geschleudert und selbst von den Behörden gefördert, antisemitische Volksversammlungen veranstaltet. Schon kam es zu thätlichen Angriffen auf friedliche Juden. Endlich hat die Regierung sich aufgerafft, in strengem Tone den Provinzial-Behörden die Bekämpfung der antisemitischen Agitation anzubefehlen. Die bulgarischen Juden haben dann den geeignetsten Weg eingeschlagen, nämlich den der Selbsthilfe. Im April fanden sie sich zusammen, um sich einheitlich zu organisiren und geschlossen den Widerstand gegen ihre Feinde ins Werk zu setzen. Welch Gegensatz zu all' diesen „Kulturvölkern", die „barbarische" Türkei! Hier wird die Duldsamkeit gegenüber den Juden in schönster Weise geübt. Unter einigen, durchaus gerechtfertigten Bedingungen hat die Pforte den jüdischen Einwanderern aus Rumänien ihre Grenzen geöffnet. Auch in Kleinasien konnten mehrere Ackerbaukolonien jüdischer Einwanderer begründet werden. Der Sultan begreift vollkommen den Nutzen, den die intelligenten, fleißigen und patriotischen Juden seinem vielbedrohten Staate bringen können. Er nimmt sie in den höhern Staatsdienst auf, er wünscht auch sie dem Heere zuzuführen, sobald man Mittel und Wege gefunden hat, das Gebot des Koran zu umgehen, das das Waffenhandwerk den Moslemin Vorbehalt. Die Juden von Konstantinopel bringen diesem hochherzigen Streben des Sultans nicht allein Dankbarkeit, sondern auch volles Verständniß entgegen. Sie haben an ihn eine Ergebenheitsadresse gerichtet und beschlossen, ihre bisherige spaniolische Sprache aufzugeben