Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 15)
- Language
- German
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35 Eindruck seiner beiden Hauptwerke heran. Von englischen Romanen verdienen nur A. S. Homer: Hernani, the Jew und M. Billard: Song of Jews Erwähnung. Ein junger Erzähler, der in den Spuren Zangwills einhergeht, Samuel Gordon, hat sich auch aus dem Gebiete der englisch-jüdischpolnischen Ghettogeschichte mit Erfolg versucht. Das Muster einer Ghettogeschichle in der wirksamen Gegenüberstellung und harmonischen Ausgleichung der Contraste des altjüdischen und des modernen Lebens ist die Erzählung von Gotthard Deutsch: „Andere Zeiten". Hier ist Kenntniß jüdischen Lebens verbunden mit inniger Pietät, Geist und Witz mit Lebenserfahrung und mit einer nicht gewöhnlichen Darstellungskunst. Eigenthümlich ist die Vorliebe, mit welcher deutsche Autoren das Zeitalter Jesu Christi und die Geschichte der Juden während dieser Zeit behandeln. Das Drama „Johannes" von Hermann Sud ermann hat berechtigtes Aussehen, allerdings -auch entschiedenen Widerspruch erfahren. Die Kenntniß des jüdischen Volkslebens jener Zeit fehlt dem Dichter ebenso gut wie den Romanschriftstellern, die sich mit dieser bewegten Periode beschäftigt haben. Der geschichtlichen Wahrheit am -nächsten kommt noch die historische Erzählung aus der Zeit der Zerstörung Jerusalems von Anton Ohorn: „Der Tempel- Hauptmann." Die Zeiterscheinung des Zionismus haben dessen Chorführer Theodor Herzl und Max Nordau in ihren Schauspielen: „Das neue Ghetto" und „Or. Kohn" auf die Bühne gebracht. Von beiden Werken liegen nunmehr auch Buchausgaben vor. Zwei anmuthige poetische Gaben sind die Dichtungen von Esther Carleb ach und Leo Hirschfeld, die den Ruhm des jüdischen Weibes und die Weihe des heiligen Landes besingen. Ein hübsches Buch für die reifere weibliche Jugend sind die sehr gut geschilderten „Biblischen Frauengestalten" Don B. Jacobsohn, ein Werk, das sich zu Festgeschenken u. dgl. besonders eignet. Auch die sehr elegant ausgestattete Sammlung von Dichtungen zur Verherrlichung des Sabbaths im Hause, die H. Berkowitz unter dem Titel „Kiddusch" heraus- Hegeben, darf nicht vergessen werden. Eine ganz eigenartige Gabe sind die Dichtungen des amerikanischen Ghettopoeten Morris Rosenfeld, voll Innigkeit und tiefer Empfindung das große 3*