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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 133

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Ein Besuch bei den "Leuten der Gasse" in Palma
Date
1898-01-01
Page
133 (sequence 2)
Language
German
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133 Verdecke ertönte Gesang, von der Guitarre begleitet. Bis in die späte Nacht saß ich da, und als ich endlich die Kajüte aufsuchte, fand ich auf dem Lager keine Ruhe. Schon mit dem ersten Morgengrauen begab ich mich wieder auf das Verdeck. Es * währte nicht lange, da tauchte im Horizonte das westliche Gestade der Insel auf. Vereinzelt kamen auch bald einige Reisende auf das Verdeck, unter ihnen der Mann, der am Abend zuvor meine Aufmerksamkeit gefesselt hatte. Ich begrüßte ihn, und sogleich fühlte er sich als Bewohner von Palma verpflichtet, den Fremden über die Gebäude zu orientiren, die jetzt in Sicht kamen. „Sehen Sie die große Rotunde, die von der Anhöhe zuerst herübergrüßt. Das ist das Schloß Bellver. Drei hufeisenförmige Thürme lehnen sich an das Schloß, während ein vierter sreiffehend zugleich das Eingangsthor bildet. Tief unten in diesem Thurme befindet sich ein unheimlicher Kerker, nach seiner Form 011a (Topf) genannt, wo viele bedeutende Männer geschmachtet haben; hier war es auch, wo Jovellanos seine Schmähschrift gegen den Minister Godoy niederschrieb." Ich wollte eine Bemerkung einwerfen, doch der Mann fuhr gesprächig fort: „Und da sehen Sie die Donja, die weltberühmte Börse, die nicht ihresgleichen in der Welt hat; aber alle Gebäude überstrahlt doch die dort östlich sich erhebende Kathedrale." Jetzt konnte ich das Wort nehmen, und ich erwiderte: „Die Gebäude kann ich nur mit schmerzlichen Gefühlen betrachten." „Sie waren schon in Palma?" fragte er hastig. „Das nicht, aber jene drei Bauwerke bringen mir das Geschick von armen Märtyrern in Erinnerung." Verblüfft sah mich der Palmesaner an. „Es war im Jahre 1391, in jenem für die Juden von ganz Spanien so verhängnißvollen Jahre, als auch in Palma das Volk sich gegen die Juden rottete, wüthend und zerstörend durch die Montesionstraße zog und an 300 Personen mordete. Etwa 800 flüchteten sich damals in das Kastell Bellver, wo sie zwar beschützt wurden, dafür aber die den Bürgern auserlegte Strafsumme zum Theil mit erlegen mußten. Den Grund

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