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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 161

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Aus Tagebuchblättern
Date
1928-01-01
Page
161 (sequence 4)
Language
German
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Bemerkungen Buber und Frau fuhren mit dem Mittagszuge ab, nach herzlichem Abschied. Buber will bald wiederkommen. Wir hatten den ganzen Nachmittag von Buber und seinem Vortrag zu sprechen. Es war merkwürdig, daß fast jedem von uns große Teile fast wörtlich im Gedächtnis geblieben waren und daß es uns war, als ob sie in unser Blut eingedrungen wären. Abends fuhr ich aus Prag ab. * * * Mitte Dezember 1910 fuhr ich nach Wien, teils in Sachen der Redaktion der „Selbstwehr", die ich übernommen hatte, teils um Buber zu treffen. An dem Abend, als ich nach Wien kam, traf ich mich mit Buber im „Theodor Herzl". Er hielt dort schon die Rede über die „Erneuerung des Judentums", die er für Prag vorbereitet hatte. Ich fühlte, wie sie aus den ersten zwei Reden herausgewachsen war. Überraschend war aber sofort für mich, daß wir selbst inzwischen seit Bubers letzter Rede in Prag in vielen Punkten zu ähnlichen Ergebnissen gekommen waren wie er selbst. Ich sagte ihm einiges davon, und er freute sich sehr. Schnitzler, Jakob Wassermann und Beer-Hofmann waren beim Vortrag. Ich sprach mit ihnen. Sie waren alle drei mit dem Inhalt der Rede Bubers sehr beschäftigt. Nachher saßen wir im Kreise der Herzlianer mit Buber zusammen. Ich sprach zunächst mit ihm über Nathan Birnbaum. Unser Gespräch wurde unterbrochen, als eine Besprechung der Rede Bubers einsetzte. Die Besprechung verlief aber im Sande, da eine richtige Leitung fehlte und Bubers Rede hier als etwas Fertiges vor ein Publikum gestellt wurde, das für sie noch nicht bereit war, während Bubers Rede bei uns in Prag gleichsam erst aus den Fragen und den Aussprachen herauswuchs. Nur Ernst Müller fiel unter den Wienern durch seine Art und Auffassung auf. Am nächsten Tage war ich wieder mit ßuber zusammen. Er fragte mich, ob er den Vortrag in Prag unverändert halten solle oder was zu ändern wäre, nachdem die gestrige Unterhaltung doch gezeigt habe, daß einiges noch klarer zu machen wäre. Dann sprachen wir noch über das Programm des Bibelabends, den wir in Prag planten. Tags darauf wollten wir zusammen nach Prag fahren. Ich wurde aber mit meinen Besprechungen nicht fertig und kam also erst zwei Tage später nach Prag zurück. Ich kam gerade in das Vereinslokal des Barkochba, als Oskar Epstein seinen Vortrag über „Offizielles und unterirdisches Judentum" geschlossen hatte und Buber die Aussprache begann. Buber wußte natürlich, daß ich eben erst aus Wien angekommen war und mit meinen Freunden über seinen Wiener Vortrag noch nicht hatte sprechen können. Um so mehr freute er sich, bestätigt zu sehen, was ich ihm zwei Tage zuvor in Wien gesagt hatte: daß wir seit seiner letzten Prager Rede in entscheidenden Punkten zu ähnlichen, ja gleichen Ergebnissen gekommen waren wie er selbst. Diese Parallelität der Entwicklung der Anschauungen war den Barkochbanern zunächst noch nicht so deutlich wie mir, der ich seine Rede in Wien gehört hatte. Sonntag vormittag hielt dann Buber öffentlich die Rede über die „Erneuerung des Judentums". Er hatte die in Wien angedeuteten Änderungen vorgenommen; aber an einigen Stellen merkte ich auch noch die Wirkung der gestrigen Aussprache mit dem Barkochba. Die Rede wirkte stärker als 11 Der Jude, Sonderheft 161

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