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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 103

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Das Gespräch
Date
1928-01-01
Page
103 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Das Gespräch unter denen die unendliche Religion sich im Endlichen darstellt". Jeder Glaube, zu dem sich Menschen bekannt haben, lebte ursprünglich aus dem Leben der unendlichen Religion, mögen auch die „glühenden Ergießungen des inneren Feuers" zu toter Schlacke erstarrt sein. Ein „Individuum der Religion" kann nun „nicht anders zustande gebracht werden, als dadurch, daß irgendeine einzelne Anschauung des Universums aus freier Willkür zum Zentralpunkt der ganzen Religion gemacht und alles darin auf sie bezogen wird . . ." Aus der idealistischen Dialektik der Zeit in direktere Sprache gebracht, meint dies, daß keine Religion Gott im Besitze hält und daß aber auch keine ohne Anteil an ihm, vielmehr ohne seinen Anteil an ihr, ohne Sinn von Gott ist. Daß kein Bild, ja auch kein Name Gott einschließt, daß aber allem gläubigen Schauen und Horchen er sich „zugestaltet", und wenn es nur der Abdruck seiner Hand, im höchsten Gewähren nur sein „Rücken" ist, der geschaut wird. Zwar gewiß nicht „freie Willkür" sondern Art und Ort seiner selbst ist es, was den Menschen mit seinem einen, nie die Fülle ganz fassenden und nur um solchen Preis faßbaren, Glauben leben macht. Aber auch solch ein Wort, vom Zeitgeist verfärbt^ wird in den Reden selbst aufgewogen vom dargetanen Wissen um das „Ergriffenwerden66 des Menschen vom Glauben. Unter der terminologischen Verschalung lebt hier endlich das rechte Beisammen von Demut und Gewißheit, das die Möglichkeit verbürgt, gleichfern von hitzigem Eifern und lauem Dulden, fest im eigenen Glauben bestehend, doch den fremden Glauben verstehend zu ehren. Aber aus dieser Möglichkeit entfaltet sich keine volle Wirklichkeit. Denn als nun über die Religionen gesprochen werden soll, da beginnt der Redner: „Zwar sollte ich nur von einer reden," von der christlichen nämlich, der einzigen, die noch lebendig sei, „denn der Judaismus ist schon lange eine tote Religion". Aber es drängt ihn doch von dem Toten zu sprechen, und nicht „weil er etwa der Torläufer des Christentums wäre; ich hasse in der Religion diese Art von historischen Beziehungen, ihre Notwendigkeit ist eine weit höhere und ewige, und jedes Anfangen in ihr ist ursprünglich: aber er hat einen so schönen kindlichen Charakter, und dieser ist so gänzlich verschüttet, und das Ganze ein so merkwürdiges Beispiel von der Korruption und vom gänzlichen Verschwinden der Religion aus einer großen Masse, in der sie sich ehedem befand"1). Nach 3) Der „schöne kindliche Charakter" des jüdischen Vergeltungsglaubens war dem deutschen Bewußtsein durch Moses Mendelssohn, insbesondere durch eine Stelle in ■»Jerusalem" recht nahe gebracht. Im Anschluß an 2.Mose 34, 7 heißt es da: „Habe ich die Sünde begangen, so ist die göttliche Strafe eine Wohltat für mich ... Sobald sie aulhört, Wohltat für mich zu sein, so bin ich versichert, sie wird mir er- 103

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